27.07.2017, 08.33 Uhr

Hochwasser und Unwetter über Deutschland: Regenfront zieht ab ++ Pegelstände fallen ++ Lage in Sachsen-Anhalt weiter kritisch

Dauerregen lässt Flüsse im Harz zu Sturzbächen anschwellen.

Dauerregen lässt Flüsse im Harz zu Sturzbächen anschwellen. Bild: picture alliance / Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dpa

Während langsam der Dauerregen über Deutschland aufhört, kommen in den betroffenen Katatstrophenregionen die schlimmen Schäden zu Tage. Goslar und der Harz können aufatmen, in Hildesheim ist die Situation noch angespannt.

+++ 28.07.2017, 06.00 Uhr:Goslars Oberbürgermeister fordert finanzielle Hilfe vom Land +++

 

Angesichts der dramatischen Hochwasserschäden im Harz fordert Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk finanzielle Unterstützung vom Land Niedersachsen. "Wir wissen, dass nicht jeder Eigentümer in der Lage sein wird, das finanziell zu bewältigen", sagte Junk der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Freitag). Sicherlich sei die Stadt in der Pflicht, ihren Bürgern zu helfen, aber: "Ohne Hilfe von außen, vom Land, wird es schwierig", so Junk.

Das Stadtoberhaupt kritisierte auch, dass die Arbeit der Rettungskräfte zunehmend durch Gaffer behindert werde. "Wir werden richtig gestört von Schaulustigen", sagte er. Man werde die Einsatzorte wieder absperren, damit die Feuerwehrleute ihre Arbeit machen könnten und nicht mehr von Menschen behindert werden, die Fotos von der Flut machen wollten. Auf der anderen Seite habe er auch eine enorme Hilfsbereitschaft erlebt. "Es melden sich Leute aus Dessau oder Berlin, die sagen, dass sie uns helfen wollen."

+++ 28.07.2017, 05.00 Uhr: Nach dem Hochwasser: Aufräumen und Bangen +++

 

Das Hochwasser sorgt in Teilen Niedersachsens weiter für erhebliche Anspannung, in Sachsen-Anhalt hat sich die Lage nach dem Rückzug der Fluten dagegen vielerorts etwas beruhigt. Während im Harz am Freitag die Aufräumarbeiten im Mittelpunkt stehen, Schäden begutachtet und repariert werden, halten die Wassermassen die Menschen im niedersächsischen Braunschweig und der Umgebung weiter in Atem.

In Wolfenbüttel hieß es an vielen Stellen am Donnerstagabend "Land unter" - der Katastrophenalarm wurde ausgelöst. "Wir hatten in der Nacht viele Einsätze, Sandsäcke wurden geschichtet und Wasser gepumpt", sagte ein Sprecher der Einsatzleitstelle. "Die untere Etage eines Pflegeheims wurde geräumt und die Bewohner wurden in Sicherheit gebracht", sagte eine Sprecherin des Lagezentrums. Mehr Einzelheiten zu den Einsätzen waren am frühen Freitagmorgen nicht bekannt.

In Braunschweig füllte die Feuerwehr noch am Donnerstag Tausende Sandsäcke, die kostenlos an die Bewohner als Hochwasserschutz abgegeben wurden. Die Hochwasserwelle soll sich in den kommenden Tagen vor allem in die Unterläufe der Flüsse Leine und Oker verlagern. Für den Bereich der Leine in Hannover wird der Höchststand ab Freitagabend erwartet. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) wollen sich am Freitag über die Schutzmaßnahmen für die Landeshauptstadt informieren.

Lage in Sachsen-Anhalt nach Hochwasser weiter zugespitzt

Auch in Sachsen-Anhalt ist noch nicht alles überstanden. Sorgen bereiteten bis zum Donnerstagabend unter anderem die Orte Harsleben, Langenstein und der Wernigeröder Ortsteil Silstedt. In Harsleben hatte sich die Situation zugespitzt, als der Goldbach über die Ufer trat.

In Wernigerode hingegen soll nach Angaben der Stadt eine vom Hochwasser betroffene Kita am Freitag wieder öffnen. In der Innenstadt habe sich die Lage beruhigt, die zum Schutz aufgeschichteten Sandsäcke würden jetzt wieder weggebracht, sagte Stadtsprecher Tobias Kascha.

Für Menschen, die Hochwasser-Opfer wurden, richtete die Stadt einen Spendenfonds ein. Bereits am Mittwoch hatte sich die Lage im Touristenstädtchen Ilsenburg beruhigt. Die Touristeninformation teilte mit, die Maßnahmen zum Hochwasserschutz hätten zu 100 Prozent gewirkt.

+++ 28.07.2017, 02.15 Uhr: Hochwasser hinterlässt Millionenschaden an der Uni Hildesheim +++ 

 

Das Hochwasser in Niedersachsen hat bei der Universität Hildesheim einen Millionenschaden angerichtet und wird den Lehrbetrieb wohl noch im Wintersemester schwer belasten. "Es ist bitter", erklärte eine Hochschulsprecherin und berichtete von "massiven Schäden". Betroffen ist demnach der Kulturcampus in einer denkmalgeschützten Burganlage. "Die Institute stehen im Wasser."

Uni-Beschäftigte hätten Stunden ohne Pause technische Geräte, Akten und Dokumente gesichert. "Solch eine Situation hatten wir seit dem Hochwasser 1946 nicht mehr", verdeutlichte die Sprecherin den "Millionenschaden". Man werde den Campus "für längere Zeit nicht nutzen können". Hildesheim hat den bundesweit ältesten Studiengang in Kulturwissenschaften 1978 aufgenommen. Etwa 1.000 Studenten lernen dort. "Sonderveranstaltungen wie ein Theaterfestival und eine Tagung werden nicht stattfinden können", erläuterte die Sprecherin.

Im Oktober gehe das neue Semester los - "wo und in welchem Umfang auf dem Kulturcampus ist zum jetzigen Zeitpunkt offen". Auf der mittelalterlichen Burganlage sind alle kulturwissenschaftlichen Institute verortet: Medien, Theater, Musik, Bildende Kunst, Philosophie, Populäre Kultur, Kulturpolitik und Literatur.

+++ 27.07.2017, 15.30 Uhr: Dauerregen über Deutschland endet - trocken bleibt es aber nicht +++

Nach dem vielen Regen der vergangenen Tage wird es in Deutschland nun zumindest etwas trockener und auch wieder wärmer. Grund dafür ist, dass das Tief "Alfred" weiter nach Osten zieht. "Die Dauerregensituation, unter der Deutschland schon seit Tagen leidet, neigt sich dem Ende entgegen", sagte Meteorologe Martin Jonas vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Donnerstag.

An den Alpen halten sich am Freitag zunächst noch Regenschauer, vom Emsland bis nach Vorpommern treten noch Schauer und Gewitter auf. Bei wechselnd wolkigem Wetter scheint vom Südwesten bis zur Mitte am häufigsten die Sonne. Im Norden erreichen die Temperaturen den Angaben zufolge 19 bis 22 Grad, sonst meist 21 bis 25 Grad. Die Tiefstwerte liegen von Nordwest nach Südost zwischen 16 und 9 Grad.

Am Samstag ist es im Norden wechselnd wolkig, am Nachmittag kommt es zu einzelnen Schauern und kurzen Gewittern. Im Süden wird es wechselnd bewölkt und bleibt weitgehend trocken. Die Temperaturen steigen an der Nordsee laut Vorhersage auf um die 20 Grad und am Oberrhein auf 27 Grad. In der Nacht zum Sonntag lassen die Schauer auch im Norden nach.

+++ 27.07.2017, 12.40 Uhr: Keine Flutgefahr in Braunschweig +++

Die Braunschweiger Feuerwehr warnt trotz steigender Wasserstände vor Panikmache. Eine Sprecherin bezeichnete die Lage in der Hochwasserregion am Donnerstagmittag als "relativ ruhig". Es rolle keine Flutwelle auf Braunschweig zu, sagte Stadtsprecherin Lisa Bertram. Sie rechne nicht damit, dass Stadtteile überflutet werden. In ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten werde es aber Überflutungen geben, teilte die Feuerwehr auf Facebook mit. Die Pegelstände stiegen langsam an, gegen 18 Uhr wurden die Höchststände von Oker, Schunter, Mittelriede sowie Wabe erwartet. Am Morgen hatte ein Feuerwehrsprecher noch erwartet, es würden einige Stadtteile überschwemmt.

Die Anwohner seien informiert, sagte Bertram. Sie sollen laut Feuerwehr die Hauseingänge abdichten oder Gegenstände in Kellerräumen hochstellen. Wer seinen Keller selbst trockenlegen können, solle dies mit Wischlappen und Eimern tun. "Überflutete Straßen sind momentan zu akzeptieren und werden keinen Einsatz der Feuerwehr auslösen", teilte die Feuerwehr mit.

+++ 27.07.2017, 12.30 Uhr: Aufräumarbeiten beginnen, Lage in Bayern entspannt, Sorge um Ernte 2017 +++

Nach 48 Stunden prasselnden Dauerregens beruhigte sich die Lage in der Nacht zu Donnerstag ansonsten im Harz etwas. Das Schlimmste liegt wohl hinter den Einsatzkräften. "In den früheren Akut-Gebieten wie Wernigerode oder Ilsenburg ist es jetzt relativ normal", sagte Lohse. "Zu schaffen macht uns das gestiegene Grundwasser", sagte er.

Nach den Überflutungen stehen vielerorts die ersten Aufräumarbeiten an. "Das wird einige Zeit in Anspruch nehmen", sagte der Oberbürgermeister von Wernigerode, Peter Gaffert. Wie hoch die Schäden sein werden, ist noch unklar. Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk hatte am Mittwoch von Kosten in Millionenhöhe für Sanierung und Renovierung gesprochen.

Der Deutsche Bauernverband sorgt sich wegen des heftigen Regens um die Ernte. «Durch den Dauerregen kommt es zu Qualitätsschäden, und es droht auch zu einem Mengenproblem zu werden", sagte Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands, der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstag). "Je länger sich der Regen hinzieht, desto problematischer wird es." Die Ernte habe bereits bis auf weiteres abgebrochen werden müssen.

Nach dem Ende des Dauerregens in Bayern entspannte sich die Lage am Donnerstag vielerorts. An kleineren Flüssen fielen die Pegelstände schon wieder, teilte der Hochwassernachrichtendienst mit. Vor allem der Stand der Donau werde aber im Raum Donauwörth und weiter flussabwärts noch steigen.

Die regengeplagte Hauptstadtregion kann ebenfalls vorerst aufatmen: In den nächsten Tagen soll es keinen Dauerregen mehr geben. Das teilte der Deutsche Wetterdienst in Potsdam mit. Vereinzelt könne es aber trotzdem in Brandenburg und Berlin zu Schauern und Gewittern kommen. Nach dem Dauerregen der vergangenen Tage beruhigte sich auch in weiten Teilen Thüringens die Situation. Nach Angaben der Hochwasser-Nachrichtenzentrale gehen die Wasserstände weitestgehend zurück, die Unstrut bleibt jedoch kritisch.

+++ 27.07.2017, 11.35 Uhr: Hochwasserlage in Hildesheim bleibt angespannt +++

Die Hochwasserlage im niedersächsischen Hildesheim bleibt angespannt. Es gebe Wassereinbrüche, das Grundwasser steige und die Kanäle seien randvoll, sagte ein Feuerwehrsprecher am Donnerstag. Dazu laufe das Wasser an einer Stelle über einen Deich in den Stadtteil Itzum. "Dort war zuvor nichts absehbar, jetzt ist dort Land unter", sagte der Sprecher. Auch für andere Bereiche gebe es noch keine Entwarnung. Die Wasserstände seien noch auf hohem Niveau, aber das Grundwasser drücke von unten nach. Helfer versuchten, Häuser mit Sandsäcken zu schützen. Am Morgen war eine Brücke über die Innerste wegen des Hochwassers gesperrt worden.

Die Wasserstände in Landkreisen wie Hildesheim, Braunschweig sowie der Region Hannover seien in der vergangenen Nacht weiter gestiegen, während sich die Lage in Goslar langsam entspannt, wie der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Donnerstag mitteilte. Der Stand des Pegels Heinde an der Innerste bei Hildesheim habe erneut die 7-Meter-Marke überschritten und sei weiter auf kritischem Niveau, hieß es am Morgen. Im Laufe des Tages sollten die Wasserstände an der Innerste aber langsam wieder fallen.

An der Oker stieg das Wasser laut NLWKN am Pegel Ohrum im Landkreis Wolfenbüttel noch weiter, im Laufe des Tages sollte es den vorläufigen Spitzenwert erreichen. Der Pegel erreichte einen neuen Rekordwasserstand, wie schon am Mittwoch der Pegel Schladen. Am Pegel Groß Schwülper im Landkreis Gifhorn sei der Höchststand erst am Freitag zu erwarten. Das gelte auch für den Pegel Harxbüttel bei Braunschweig.

+++ 27.07.2017, 11.05 Uhr: Zillierbach-Talsperreoberhalb von Wernigerode wird tagelang überlaufen

Aus der Zillierbachtalsperre oberhalb von Wernigerode in Sachsen-Anhalt wird nach Einschätzung des Talsperrenbetriebs noch tagelang Wasser überlaufen - allerdings nicht in gefährlichem Ausmaß. Derzeit strömten rund 1,3 Kubikmeter je Sekunde in den Zillierbach, negative Auswirkungen auf Wernigerode gebe es aufgrund der vergleichsweise geringen Mengen nicht, sagte der Geschäftsbereichsleiter im Talsperrenbetrieb, Joachim Schimrosczyk, am Donnerstag in Blankenburg. Das entspricht ungefähr der Menge von acht gefüllten Badewannen.

In den zurückliegenden Tagen habe die Talsperre, aus der Wernigerode Trinkwasser bezieht, 700.000 Kubikmeter Wasser aufgenommen und nichts abgegeben. Seit Mittwochabend läuft sie über wie eine volle Badewanne.

Grundsätzlich solle der Stauseespiegel wieder gesenkt werden, sagte Schimrosczyk. "Es könnte ja wieder ein Hochwasser kommen." Wann mehr Wasser abgelassen werden könne, sei abhängig vom Wasserstand der Holtemme, für die derzeit noch die höchste Hochwasserstufe 4 gelte.

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