29.04.2017, 08.01 Uhr

Chemische Waffen im Wandel der Zeit: Giftgas im Krieg! So schrecklich ist der unsichtbare Feind

Gasangriffe mit Phosgen, Senfgas oder Chlorgas waren im 1. Weltkrieg keine Seltenheit.

Gasangriffe mit Phosgen, Senfgas oder Chlorgas waren im 1. Weltkrieg keine Seltenheit. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Anne Geyer

In den Jahren 1899 und 1907 beschlossen die zu jener Zeit wichtigsten Weltmächte während des Haager Abkommens, dass chemische Waffen im Kriegsfall nicht zum Einsatz kommen dürften. Der Gebrauch wurde schlichtweg als unzivilisiert eingestuft und die militärische Nutzung untersagt. Die Formulierungen waren jedoch dehnbar und führten letztendlich dazu, dass nur sieben Jahre nach dem 2. Haager Abkommen - zu Beginn des Ersten Weltkrieges - die ersten chemischen Waffen mit Giftgas gegen den Feind eingesetzt wurden.

Der Erste Weltkrieg: Ein Ringen nach Luft - Die Geburtsstunde von Senf - und Chlorgas

Eine erste Übertretung des Haager Abkommens begingen die Franzosen und nutzten das reizende Gas Xylyl-Bromid in Tränengas-Granaten gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914. Am 31. Januar 1915 setzte dann Deutschland gegen Russland 18.000 Tränengas-Raketen ein. Allerdings wenig erfolgreich, denn das Gas gefror und der Angriff misslang.

Am "Tag von Ypern" kommt erstmals Chlorgas zum Einsatz

Auch heute noch sind die Auswirkungen des Einsatzes von Agent Orange in Vietnam ein großes Problem.

Auch heute noch sind die Auswirkungen des Einsatzes von Agent Orange in Vietnam ein großes Problem. Bild: dpa

An der Westfront kam es schon bald zu einer Patt-Situation, bei der es kein Vor und Zurück gab. Deutsche und französische Soldaten standen sich gegenüber, die Armeen auf beiden Seiten wurden langsam aufgerieben, ohne dass eine Partei die Oberhand gewinnen konnte. Dann, am 22. April 1915, kommt es zum schrecklichen "Tag von Ypern", an dem das Deutsche Reich mit dem ersten Einsatz von Chlorgas als Waffe in die Geschichte eingehen sollte. Chemiker Fritz Haber hatte im Deutschen Reich die Entwicklung des Chlorgases vorangetrieben und die deutsche Kriegs-Industrie mit den Worten "Das chemische Kampfmittel scheint das geeignetste Angriffsmittel zu sein" schließlich von einem Experiment mit dem Gas überzeugt. von Er selbst reist an die Front nach Ypern, um sich von seiner eigens entwickelten Waffe zu überzeugen. Enttäuscht wurde er dabei nicht. Wieder in Deutschland, feiert er seinen Triumph. Seine Frau Clara, selbst Chemikerin, erschießt sich mit seiner Waffe, da sie die Gräuel des Giftgas-Einsatzes nicht verkraften kann. Haber erhielt im Jahr 1918 den Nobelpreis für Chemie.

"Ihre Lungen sind weg" - Soldaten litten Höllenqualen

Vor allem in den Jahren 1915 und 1916 setzen alle Kriegsparteien die tödliche Wirkung von Giftgasen ein. 1917 testete das Deutsche Reich zum ersten Mal Senfgas - wieder bei Ypern. Die Krankenschwester Shirley Millard, schilderte die Grausamkeit des Giftgases: "Bei manchen sind die Augen und Gesichter vollständig vom Gas weggefressen, und ihre Körper sind mit Verbrennungen ersten Grades bedeckt. Wir müssen versuchen, ihnen durch Ölgüsse Linderung zu verschaffen. Sie können nicht verbunden oder berührt werden." und: "Ihre Lungen sind weg" Die Soldaten ringen um Luft, doch es gibt keine Hilfe. Ungefährlich für die eigenen Reihen war der Giftgas-Einsatz zudem auch nicht. Drehte der Wind, wurde es für die Soldaten kritisch. Viele wurden dabei verletzt, einige starben. 1925, sieben Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, wurde der Gebrauch chemischer Waffen durch die Genfer Konvention verboten.

Der Zweite Weltkrieg: Massenermordung durch Zyklon B

Auch Adolf Hitler wurde 1918 Opfer eines Senfgas-Angriffes. Diesem Umstand ist es wohl auch zu verdanken, dass er den Einsatz chemischer Waffen im Laufe des Zweiten Weltkrieges ablehnte. Jedoch wurde Giftgas für Millionen Menschen in Konzentrationslagern oder durch sogenannte Giftwagen doch zum Todesurteil. In Auschwitz kam Zyklon B zum Einsatz. Die Deportierten, die nicht für arbeitsfähig gehalten wurden, fanden in den Gaskammern gleich nach Ankunft den Tod. Die Blausäure verursacht eine Cyanidvergiftung, die je nach Stärkegrad die Zellatmung blockiert und eine innere Erstickung verursacht, die bis zu 20 Minuten dauern kann.

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