29.08.2015, 08.01 Uhr

Hack auf Seitensprungportal: Jetzt spricht ein Ashley-Madison-Nutzer

Ein Ashley-Madison-Nutzer erzählt, was der Hack mit seinem Leben angerichtet hat (Symbolbild).

Ein Ashley-Madison-Nutzer erzählt, was der Hack mit seinem Leben angerichtet hat (Symbolbild). Bild: fotolia/g-pointstudio

Von news.de-Volontär Johannes Kohlstedt

Dieser Datenklau wird uns wohl noch ein Weile beschäftigen. Im Juli wurde das Fremdgehportal Ashley Madiosn von Hackern angegriffen. Vergangene Woche wurden mehr als 33 Millionen Kundendaten veröffentlicht. Die Betreiberfirma hat eine Belohnung von rund 330.000 Euro für Hinweise ausgesetzt. Ihr selbst droht eine Sammelklage im Umfang von mehr als einer halben Milliarde Euro. Der Grund: Ashley Madison soll die Daten nicht ausreichend geschützt haben. Momentan ermittelt zudem die kanadische Polizei, sie vermutet bei zwei Suizid-Fällen einen Zusammenhang mit den veröffentlichten Nutzerprofilen.

Ein Ashley Madison-Kunde erzählt: "Ich bete jeden Tag, dass ich meine Familie nicht verliere"

In der "Süddeutschen Zeitung" erzählte nun erstmals ein Betroffener, wie dieser Datenklau sein Leben verändert, geradezu zerstört hat. Der Mann, Ende 30, beschreibt sich selbst als nicht gläubig, aber seitdem bete er jeden Tag, dass er seine Familie nicht verliert.

Von dem Hack am 20. Juli habe er erst später erfahren. Zu dieser Zeit sei er mit seiner Familie im Urlaub in Schweden gewesen. Drei Wochen lang ohne Internet. Der Tag, der alles veränderte, kam erst einen Monat später. Da wurden die Nutzerdaten tatsächlich ins Netz gestellt. Zitternd habe er vor dem Computer gesessen und versucht, sich über den Hack schlau zu machen. An Arbeit war nicht mehr zu denken. Was er fand, habe ihn weniger begeistert: "Es hat nicht lange gedauert, bis es Seiten gab, auf denen man die vielen Gigabyte an Daten nach Mailadressen durchsuchen konnte. Mein Name, meine Anschrift, meine sexuellen Vorlieben, all das ist jetzt öffentlich. Außerdem ein Teil meiner Kreditkartennummer und alle Geldbeträge, die ich an Ashley Madison gezahlt habe."

Heute traut er sich kaum noch vor die Tür

Die Mailadresse benutze er schon seit Jahren. Jeder kennt sie und jeder könnte überprüfen, ob er bei Ashley Madison registriert ist. Kollegen, Freunde, Verwandte - und natürlich seine Frau. "Ich traue mich kaum noch vor die Haustür. Wenn mich meine Frau im Bett mit einer anderen erwischt, ist das schlimm. Aber die Veröffentlichung hat nochmal eine andere Dimension. Ich weiß gerade wirklich nicht, wie ich mit diesem Gefühl der öffentlichen Schande weiterleben soll." Das Schlimmste habe er immerhin hinter sich. Seiner Frau habe er alles gestanden. Sie überlege, sich scheiden zu lassen.

Anmeldung bei Ashley Madison der größte Fehler seines Lebens

Heute bezeichnet er die Anmeldung als den "größten Fehler" seines Lebens. Damals stand seine Ehe kurz vor dem Aus. Seine Frau erlitt eine Fehlgeburt und sie wussten nicht, wie sie mit der Trauer umgehen sollten. Statt sich zu helfen, hat sich das Ehepaar zerstritten. Das Portal habe er dann ein halbes Jahr genutzt:"Ich habe für zwei Seitensprünge gezahlt, und ich bin mir schrecklich dabei vorgekommen. An die Frauen kann ich mich kaum noch erinnern. Als ich gemerkt habe, dass mich das nicht von meiner Trauer ablenkt, habe ich aufgehört. Meine Frau und ich haben eine Psychotherapie gemacht und beide wieder den Weg zurück in den Alltag gefunden."

Das Verhalten der Hacker ist unverantwortlich

Obwohl er seine Mitgliedschaft kündigte und seine Daten für 19 Dollar löschen ließ, tauchte seine Mailadresse im Netz auf. Die Schuld sucht er nicht bei den Hackern, sondern in erster Linie bei sich selbst. Er hofft nur noch, dass seine Frau wieder mit ihm redet und irgendwann seine Entschuldigung akzeptieren kann. Seine Famile zu verlieren, wäre das Schlimmste, was er sich vorstellen könne.

Ganz von der Verantwortung freisprechen möchte er die Cyberkriminellen dann aber doch nicht: "Es sind ja nicht nur Leute wie ich, deren Mailadressen jetzt im Internet zu finden sind; nicht nur westliche Wohlstandsbürger auf der Suche nach dem schnellen Seitensprung, aus welchen Gründen auch immer. In Saudi-Arabien steht auf Ehebruch die Todesstrafe. Angeblich soll es Tausende saudische Nutzer gegeben haben, darunter Homosexuelle. Auf Reddit hat ein verzweifelter Nutzer bereits um Asyl in einem anderen Land gebeten, weil er fürchtet, gefoltert und hingerichtet zu werden. Diese Menschen sind es, die einem leid tun sollten."

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jko/zij/news.de
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