07.08.2015, 16.55 Uhr

Sex im Islam: Der Beginn der Aufklärung

Sexualität wird in vielen islamischen Ländern noch immer wie ein rohes Ei behandelt. Der Sender Health TV versucht jedoch, für Aufklärung zu sorgen. Ein Durchbruch, der mit Vorsicht zu genießen ist.

Sexualität wird in vielen islamischen Ländern noch immer wie ein rohes Ei behandelt. Der Sender Health TV versucht jedoch, für Aufklärung zu sorgen. Ein Durchbruch, der mit Vorsicht zu genießen ist. Bild: Picture Alliance

Von news.de-Volontär Eric Mittmann

Doktor Nadim Uddin Siddiquin gelingt in seiner Sendung oftmals ein Drahtseilakt. Zwischen Frömmigkeit und dem Willen zur Aufklärung meistert er es, seinen Zuschauern und Anrufern Ratschläge zu geben, die ihnen weiterhelfen und ihr Unwissen tilgen.

Jedoch ist ihm nicht immer dieses Glück vergönnt. "Ich kann nichts gegen den Islam tun", erklärt Siddiquin gegenüber der "Welt", "sonst gäbe es Ärger." So kann er einer Frau, die glaubt, dass sie vom Masturbieren zunimmt, lediglich sagen: "Beten Sie fünfmal am Tag, halten Sie sich von unangemessenen Inhalten im Internet fern und lesen Sie religiöse Texte. Dann wird es schon gehen." Masturbation, ebenso wie zum Beispiel Oralverkehr, ist in den Augen vieler konservativer Muslime streng verboten. Will der Doktor seine Tätigkeit fortsetzen, muss er den Grundsätzen des Islam folgen.

Aufklärung durch Frömmigkeit: Wenn die Magie der Hochzeitsnacht verfliegt

Der Sender Health TV hat im pakistanischen Fernsehen eine Nische gefunden, wie die "Welt" schreibt. In dem konservativen, teils recht rückständigen Land, wo außerhalb der Städte viele kaum Zugang zu medizinischer Grundversorgung geschweige denn Aufklärung haben, spielt der Privatsender die Rolle des beratenden Arztes – und das anonym und kostenfrei.

Die wichtigste Zielgruppe bilden dabei Frauen um die 30, weshalb Siddiquins Sendung beispielsweise mittags ausgestrahlt wird. In dieser Zeit sind die Männer auf der Arbeit, die Frauen unter sich und allein mit dem Doktor. Und das Angebot wird genutzt. Die beiden Telefonleitungen ins Studio sind ständig besetzt.

Für Faraz Talad, Arzt und Betreiber des Blogs "Ist Pakistan bereit, über Sex zu reden?", ist dies ein klarer Fortschritt, wie er der "Welt" erklärt. "Als Arzt hatte ich zahlreiche Patienten, die lernen wollten, wie man ein Kondom benutzt – nachdem der Schaden bereits angerichtet war. Viele behaupten, sie hätten 'hartnäckigen Husten', wenn sie doch eigentlich nur im Flüsterton mit dem Doktor ihre sexuellen Probleme diskutieren wollen." Probleme, die so weit verbreitet seien, dass die Informationen dazu Allgemeinwissen sein sollten. Mit "Clinic Online" würden nun endlich neue Informationsquellen für dieses Wissen der pakistanischen Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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mie/zij/news.de
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