12.05.2015, 19.31 Uhr

Chemiespray, Taser, Prügel: USA: Misshandlung psychisch Kranker im Knast

Mit Tasern geschockt: Psychisch Kranke werden in US-Gefängnissen misshandelt.

Mit Tasern geschockt: Psychisch Kranke werden in US-Gefängnissen misshandelt. Bild: Picture Alliance/dpa

Von news.de-Volontärin Lisa Volkmann

Statt in einer dafür ausgerichteten Psychiatrie kommen psychisch Kranke in den USA zunehmend ins Gefängnis. Die Folgen der dortigen falschen Behandlung können fatal sein.

Wie US-Korrespondent Marc Pitzke dem "Spiegel" berichtet, sitzen derzeit etwa 350.000 psychisch kranke Amerikaner in den 5.100 US-Gefängnissen, wo sie "oft brutal misshandelt werden".

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Knast statt Klinik: Psychisch kranke Amerikaner werden wegen Mangel an Psychiatrien inhaftiert

Chris Lopez aus dem Bundesstaat Colorado litt seit seiner Kindheit an Schizophrenie, Wahnvorstellungen und Paranoia. Als Erwachsener pendelte er jahrelang zwischen Haftanstalt und Psychiatrie, bis der 35-Jährige in einem Spezialgefängnis für psychisch Kranke landete. Dort wurde er mit Psychopharmaka vollgepumpt und in Isolationshaft gesteckt. Als ihn Wärter nachts anscheinend leblos auf dem Boden vorfanden, wurde statt eines Arztes ein Sonderkommando gerufen, das Chris an Händen und Füßen fesselte. "Lopez bekam Krampfanfälle, doch die Wärter lachten ihn nur aus und ließen ihn allein", wie Pitzke berichtet. Sechs Stunden später war Chris Lopez tot.

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Fehlendes Fachpersonal: Wachmänner misshandeln psychisch kranke Insassen

Der Fall Lopez bleibt kein Einzellfall. Brutale Misshandlungen sowie der Einsatz von Elektroschocker, sogenannte Taser, sind gang und gäbe. Diese menschenunwürdigen Zustände rufen nun die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) auf den Plan. Der Umgang mit den Insassen wird als "Verstoß gegen die fundamentalen Menschenrechte" angesehen, so HRW. "Gefängnisse sind zu Nervenkliniken geworden", heißt es weiter. In einigen US-Haftanstalten betrage der Anteil der psychisch Kranken 40 Prozent - zum Beispiel auf der skandalumwitterten New Yorker Gefängnisinsel Rikers Island.

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USA: Marodes Gesundheitssystem und Gewalt in Gefängnissen

Aufgrund des maroden Gesundheitssystems in den USA mangelt es sowohl an psychiatrischen Kliniken als auch an Fachpersonal. Demzufolge werden die oft mittellosen Patienten einfach in den Knast gesperrt. Und die dortigen Umstände können für sie tödlich enden. Psychisch kranke Insassen werden mit Chemiesprays besprüht, getasert oder tagelang an Betten und Zwangsstühle gefesselt. Nicht selten werden den Gefangenen Brandwunden oder durch Schläge und Tritte andere Velretzungen zugefügt. Marc Pitzke führt in seinem Report weitere Beispiele an.

Ein Großaufgebot an Rettungskräften an der psychiatrischen Klinik Marienheide gestern abend. Ein Feuer löste den Brandalarm aus. 52 Patienten wurden evakuiert, zwei Verletzte mussten in umliegende Krankenhäuser gebracht werden...

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