18.10.2014, 08.00 Uhr

news.de-Expertenrat: Schwanger trotz Sterilisation: Muss Klinik haften?

Von news.de-Expertin Sandra Voigt

Schwangerschaft wegen Behandlungsfehler?

Nach der Geburt ihres zweiten Kindes war für eine Frau die Familienplanung abgeschlossen. Sie ließ sich daher noch in der Klinik sterilisieren, wobei der zuständige Arzt sie vor dem Eingriff mündlich darüber aufgeklärt hatte, dass es trotz einer Sterilisation in vier von 1000 Fällen dennoch zu einer Schwangerschaft kommen kann. Ein entsprechender handschriftlicher Vermerk in den Krankenunterlagen erfolgte jedoch erst nachträglich und mit einem anderen Stift als sonst.

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Ein Baby ist für viele Paare das größte Glück - doch was tun, wenn sich nach einer Sterilisation Nachwuchs einstellt? Bild: iStock

Als die Frau knapp drei Jahre nach dem Eingriff ungewollt schwanger wurde, verlangte sie vom Krankenhausträger für sich und ihren Mann gerichtlich Schadensersatz und Schmerzensgeld. Erstens sei die Operation fehlerhaft durchgeführt worden. Zweitens habe sie nichts von einer sogenannten Versagerquote gewusst. Sie sei also nicht darüber aufgeklärt worden, dass es trotz der OP noch ein Restrisiko gibt, erneut schwanger zu werden. Der Eintrag in die Krankenakten sei erst nachträglich erfolgt, um die fehlende Aufklärung zu vertuschen.

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Fachgerechte Aufklärung durch Operateur

Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm wies sämtliche Ansprüche zurück. So war in Bezug auf den Eingriff selbst kein Fehler ersichtlich. Von allen zur Verfügung stehenden Operationsmethoden war die gewählte sogar die geeignetste. Auch die OP selbst ist nach Aussage eines Sachverständigen einwandfrei durchgeführt worden.

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Darüber hinaus hat der Operateur nicht gegen seine Aufklärungspflicht verstoßen. Zwar muss ein Arzt unter anderem über alternative Heilmethoden oder die mit der gewählten Therapieform verbundenen Risiken aufklären. Behauptet jedoch ein Patient, nicht ordnungsgemäß aufgeklärt worden zu sein, muss er dies vor Gericht nachweisen. Diesen Beweis konnte die Mutter von drei Kindern jedoch nicht führen.

Zwar ist der Vermerk in Bezug auf die Versagerquote erst nachträglich dokumentiert worden. Das Gericht sah darin aber keine Verfälschung der Krankenakte – schließlich war aufgrund des handschriftlichen Eintrags mit einem anderen Stift unstreitig erkennbar, dass der Vermerk später eingefügt worden ist. Das Gericht lehnte daher einen Täuschungswillen des Arztes ab. Es glaubte ihm vielmehr, dass der Mediziner die Patientin mündlich über die Versagerquote informiert und ihr gerade keine 100-prozentige Restrisikofreiheit zugesagt hatte. Da die Patientin somit über das Restrisiko Bescheid wusste, hätten sie und ihr Mann vielmehr weitere Verhütungsmaßnahmen ergreifen können und müssen, um eine dritte Schwangerschaft zu 100 Prozent auszuschließen.

(OLG Hamm, Urteil v. 17.06.2014, Az.: 26 U 112/13)

Über das monegassische Fürstenpaar Albert II. und Charlène wurde seit ihrer Hochzeit im Juli 2011 viel spekuliert und geredet. Mit der Ankündigung der Schwangerschaft der Fürstin dreht sich aber erstmal alles um den königlichen Nachwuchs.

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loc/news.de
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