09.09.2019, 16.30 Uhr

Deven Davis: Korn-Sänger Jonathan Davis: "Ich habe praktisch jede Nacht geweint"

Legen am 13. September ihr 13. Album vor: Korn mit Frontmann Jonathan Davis

Legen am 13. September ihr 13. Album vor: Korn mit Frontmann Jonathan Davis Bild: Brian Ziff/spot on news

Ab dem 13. September ist das neue Korn-Album "The Nothing" erhältlich. Was die 13 Tracks mit Michael Endes Roman "Die unendliche Geschichte" zu tun haben, wie er inzwischen mit dem Verlust seiner Frau Deven umgeht und wer ihn auf seinen Touren begleitet, hat Frontmann Jonathan Davis (48) der Nachrichtenagentur spot on news verraten.

Der erste Song auf Ihrem neuen Album "The Nothing" heißt "The End Begins". Warum beginnen Sie mit dem Ende?

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Jonathan Davis: Es war der Anfang meiner Reise durch all das, was passiert ist. Ich hatte ein beschissenes letztes Jahr. Ich fühlte etwas, das dunkel war, aber nicht böse. So wie "das Nichts" in "Die unendliche Geschichte", das kommt und alles verschlingt. Und praktisch alle Songs drehen sich darum. Es war nicht leicht, aber ich musste da durch.

Aber Sie haben es geschafft!

Davis: Das würde ich nicht sagen, ich mache einfach weiter. Wenn man jemanden verliert so wie ich, so einen schweren Verlust erleidet, kommt man nie darüber hinweg. Ich habe meine Mutter und meine Frau innerhalb von zwei Monaten verloren. Seit dieser Zeit habe ich praktisch jede Nacht geweint. Es wird leichter, aber wirklich davon erholen, kannst du dich nicht. Aber ich muss stark sein, zumindest für meine Kinder, denen ich Mutter und Vater zugleich sein muss. Meine Kinder bedeuten mir alles.

Stehen Sie sich in der Band auch so nahe?

Davis: Absolut, wir sind eine Familie. Ich liebe die Jungs wie meine Brüder. Nach all den Jahren arbeiten wir noch gern zusammen, touren zusammen. Andere Bands halten es nicht mal mehr in einem Raum gemeinsam aus.

Also geht die Reise von Korn weiter?

Davis: Definitiv. Ich werde aber auf der kommenden Korn-Tour weiter an meinen Songs arbeiten, denn ich schreibe am besten, wenn ich unterwegs bin.

Klingt nach einem straffen Zeitplan. Wie kommen Sie mit dem Stress klar?

Davis: Ich nehme meine Kinder mit auf Tour. Als Deven starb, hatte ich keine andere Wahl. Ich habe sie aus der Schule genommen und sie selbst unterrichtet und als wir zurück waren, sind sie zurück in die Schule. Jetzt habe ich Hilfe, meine Schwester unterstützt mich. Jahrelang war ich damit alleine. Musik machen und die Kinder unter einen Hut zu bringen, hat mich an meine Grenzen gebracht. Besonders wegen der Krankheit meines Sohnes.

Können Sie das näher erklären?

Davis: Mein zwölfjähriger Sohn [Zeppelin, Anm. d. Red.] hat Diabetes. Ich muss immer darauf achten, dass sein Blutzuckerspiegel stimmt. Er hat ein Messgerät unter der Haut. Mein Smartphone zeigt mir an, wenn sein Zustand kritisch wird. Das ist ein 24-Stunden-Job ohne Pausen. Wenn ich nicht aufpasse, stirbt er. Aber ich muss da durch, ich kenne das ja von meiner Mutter.

Ihrer Mutter?

Davis: Ich habe mich während der Zeit ihrer Sucht und ihrer psychischen Krankheit um sie gekümmert. Es kam der Punkt, an dem niemand außer mir mehr um sie herum sein konnte. Das war wirklich hart. Das hat mich fast umgebracht. Aber was uns nicht umbringt, macht uns härter.

Was machen Sie in solchen Situationen? Was zieht Sie hoch?

Davis: Meine Kinder! Ich bin dafür verantwortlich, dass es ihnen gut geht und ihr Leben in den richtigen Bahnen läuft. Gott mutet uns nur das zu, was wir auch ertragen können. Das macht mich stärker und ich bin glücklich, meine Jungs aufblühen zu sehen. Sie mussten viel mitansehen, auch wie schlecht es ihrer Mutter ging. Das machte alle krank, nicht nur Deven. Aber das ist jetzt vorbei. Sie dürfen Kinder sein.

Wollen Ihre Kinder auch Musiker werden?

Davis: Nathan ist als DJ auf großen Festivals in den USA und Kanada unterwegs. Ich bin so stolz auf ihn. Und Pirate ist jetzt 14, Zeppelin zwölf. Er tanzt und singt sehr viel, er ist jetzt schon ein kleiner Entertainer. Pirate ist zurückhaltender und eher so wie ich als Kind. Er ist gern für sich und spielt Videospiele. Mir ist nur wichtig, dass sie selbstständig werden, denn im Leben bekommst du nichts geschenkt.

Vor was haben Sie am meisten Angst?

Davis: Davor, dass ich vor meinen Kindern sterbe. Oder noch schlimmer, eines meiner Kinder beerdigen zu müssen. Dass ich sterbe, ist mir klar, jeder muss irgendwann gehen. Ich hoffe, dass ich meine Lieben irgendwann einmal wiedersehen werde.

Sie gehen mit "Alice in Chains" auf Headline-Tour. Hat sich Ihr Tour-Leben in den letzten Jahren geändert?

Davis: Eigentlich nicht, ich lebe auf Tour in meinem Bus und bin viel für mich. Jeder in der Band braucht ab und zu Zeit für sich. "Head" [Brian Welch, Anm. d. Red.] zum Beispiel kann nicht im Bus schlafen, ihn setzen wir jedes Mal am Hotel ab.

Ist eine Tour für Deutschland geplant?

Davis: Ja, wir werden sicher wieder nach Deutschland kommen.

Stehen Zeitpunkt und Spielorte schon fest?

Davis: Nein, aber generell spiele ich gern in Deutschland. Ich bin auch gerne in Russland, da waren wir 2014. Im tiefsten Sibirien, das war cool, natürlich waren wir auch in Moskau und St. Petersburg. Da haben wir viele Fans, manchmal kann ich es gar nicht glauben, wie viele Leute uns spielen hören wollen.

Haben Sie eine deutsche Lieblings-Band?

Davis: Rammstein ist cool, die haben ja auch ein neues Album rausgebracht, unfassbar wie bekannt die mittlerweile sind. Aber Die Atzen und In Extremo finde ich auch super.

Was war das schönste Kompliment, das Sie je bekommen haben?

Davis: 'Du hast mir das Leben gerettet. Du hast mir über schwere Zeiten hinweg geholfen'. So etwas bringt mich dazu weiterzumachen. Gibt es etwas Schöneres?

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