26.10.2018, 15.00 Uhr

Album-Release: Indie-Band Leoniden: "Wir sind mehr als nur beste Freunde"

Djamin Izadi, Lennart Eicke, Jakob Amr, JP Neumann und Felix Eicke sind die Indie-Band Leoniden

Djamin Izadi, Lennart Eicke, Jakob Amr, JP Neumann und Felix Eicke sind die Indie-Band Leoniden Bild: Maximilian König/spot on news

Die Leoniden aus Kiel, das sind die beiden Brüder Lennart (Gitarre) und Felix Eicke (Schlagzeug), Djamin Izadi (Synthesizer), JP Neumann (Bass) und Sänger Jakob Amr. Nach dem Debüt-Album "Leoniden" im Jahr 2017 veröffentlicht die Indie-Band aus dem hohen Norden nun ihre zweite Platte "Again". Warum sie auf dieses Album unfassbar stolz sind und wieso manchmal der Perfektionismus mit ihnen durchgeht, haben Lennart Eicke und Jakob Amr der Münchner Nachrichtenagentur spot on news im Interview erzählt.

Was angesagte Musik aus Deutschland anbelangt, seid ihr im Moment der nicht mehr ganz so geheime Geheimtipp. Wie fühlt sich das an?

"Again" ist da! Hier gibt es das neue Album von den Leoniden

Lennart Eicke: Ich bezweifle das ja. Wir werden häufiger in Interviews konfrontiert als im echten Leben, dass wir angeblich etwas größer geworden sind. Aber wenn wir die Tour, die wir vor einem Jahr gespielt haben, und die Tour, die wir jetzt die nächsten Monate spielen werden, vergleichen, merken wir das auch. Da sind manche Läden einfach zehnmal so gut besucht. Für uns war das immer völlig normal, vor 30 Leuten zu spielen. Und jetzt kommen 300 bis 500 bis 1000 Leute. Das fühlt sich sehr gut an, um die Frage zu beantworten.

Erfüllt sich gerade euer Lebenstraum?

Lennart: Ja! Das tut er schon seit einiger Zeit. Innerhalb unseres Lebenstraums weiten wir uns aus und stecken immer wieder ein weiteres Ziel. So kann man sich bewahren, dass man glücklich bleibt.

Was ist das nächste große Ziel?

Jakob Amr: Jetzt gerade sind wir in einer spannenden Phase. Heute ist der Tag, an dem "Again" erscheint. Ein Album, in das wir 9000 Stunden Arbeit gesteckt haben und auf das wir stolzer nicht sein könnten. Es steht eine riesen Tour bevor und das Ziel ist es, jedes Konzert so zu spielen, als wäre es das erste und letzte gleichzeitig. Und zu überleben, das wäre schon gut. Das steht bei mir zumindest auf Platz eins.

Wie sehr bringt euch euer Musiker-Leben an eure Grenzen?

Lennart: Wir nehmen uns nicht viel frei. Eigentlich gar nicht. Nachdem wir das erste Album herausgebracht haben, sind wir sofort auf Tour gefahren. Dann sind wir nach Hause gekommen und haben sofort angefangen "Again" zu schreiben. Das war vor ungefähr eineinhalb Jahren. Wir haben letztes Jahr 100 Konzerte gespielt. Wir haben dieses Jahr 100 Konzerte gespielt und dazwischen das Album geschrieben und aufgenommen. Das ist ja auch viel Arbeit drumherum. Vor allem wenn man ein eigenes Label hat. Wir sind manchmal ziemlich gestresst und pennen wenig.

Ihr bezeichnet euch auch als beste Freunde. Gibt es Momente, in denen ihr aneinandergeratet?

Lennart: Wir streiten uns sogar ziemlich viel. Mehr als andere beste Freunde.

Jakob: Wir sind ja auch mehr als nur beste Freunde.

Lennart: Wir haben uns angewöhnt, dass wir alles, was uns nervt, sofort ansprechen. Und dann aber nicht auf diplomatische Art und Weise, sondern so wie es uns halt nervt.

Was ist euer Alleinstellungsmerkmal? Als Band?

Jakob: Wir legen einen unfassbar großen Wert auf unsere Live-Show. Die planen wir mit ganz viel Perfektionismus. Und auf der Bühne sind wir von der ersten bis zur letzten Note crazy im Kopf, drehen einfach durch und tanzen, weil das die Zeit am Tag ist, für die wir das machen. Mit riesiger Leidenschaft. Und wir sind eine Band, die immer alles auf 110 Prozent schieben will. Ich glaube, dass uns das von anderen Bands unterscheidet: Dass wir immer viel länger brauchen, um zufrieden zu sein.

Lennart: Wir sind Streber. Wir sind zwar voll locker, was die Genre-Grenzen angeht. Aber in allen anderen Punkten sind wir eigentlich ziemlich streng. Wir sind zum Teil neurotisch und richtige Kontrollfreaks, die überhaupt nichts aus der Hand geben wollen und lieber alles drei oder vier Mal durchdenken oder bequatschen und diskutieren. Bis wir uns wirklich sicher sein können, dass wir den für uns besten Weg gefunden haben. Da überlassen wir nichts dem Zufall.

Habt ihr Angst, dass euer Do-It-Yourself-Charakter mit der Zeit verloren geht?

Jakob: Das Wichtigste ist, dass man mit Leuten zusammenarbeitet, denen man wirklich vertraut, mit denen man befreundet ist, die man gerne hat. Das werden wir nicht ablegen.

Lennart: Die Arbeit wird auf jeden Fall nicht weniger. Hie und da braucht man Unterstützung, weil es einfach viel zu viel für fünf Leute wird. Es gab Zeiten, da war diese Band für uns eher ein Bürojob, weil wir zum Beispiel die ganzen Vorbestellungen eingepackt haben. Bei solchen Sachen brauchen wir Hilfe. Aber nur bei der Durchführung.

Aber wo kommt diese Energie her, mit der ihr das alles stemmt?

Lennart: Das ist unser komischer, vielleicht ungesunder Ehrgeiz. Weil wir uns gerne gegenseitig anstacheln. Es gibt niemanden, der irgendwie bremsen möchte. Es fühlt sich ganz selbstverständlich und richtig an, zum Beispiel morgens um vier aufzustehen, um irgendwo hinzufahren. Egal, wie müde man ist. Wir machen das ja zum Spaß. Wenn jemand von uns einen schlechten Tag hat, dann erkennen das die vier anderen sofort, ohne dass darüber gesprochen werden muss. Das passiert jedem Mal, dass man mit dem falschen Fuß aufsteht.

Ist man als Band in einer kleineren Stadt wie Kiel fokussierter?

Lennart: Jakob ist der lebende Beweis dafür.

Jakob: Ich bin für die Leoniden von Hamburg nach Kiel gezogen. Davor bin ich nach Hamburg gezogen aus dem Bedürfnis, zu einer Kulturszene dazuzugehören. Auch mit diesem naiven Gedanken, ich ziehe in eine Großstadt und dann wird das schon. Aber als ich nach Kiel gezogen bin, haben wir sofort gemerkt, dass uns das nochmal krass nach vorne pusht. Dass wir so viel konzentrierter sein können. Die Stadt hat ein paar nette Cafés und Clubs, in die man gehen kann. Und aus meiner Perspektive auch sehr nette Leute. Durch dieses nicht übersättigte Kulturangebot ist Kiel einfach ein super Ort. Nur zum Losfahren ist Kiel echt bekloppt. Wir könnten zweimal nach Kopenhagen und zurückfahren, bevor wir zum Beispiel in München sind.

Lennart: Nur weil man in Kiel wohnt, heißt das ja nicht, dass man da 365 Tage im Jahr ist und alles verpasst. Kiel hat wirklich sehr, sehr günstige Mieten. Wir haben einen Proberaum, der ist direkt am Strand. Mit 80 Quadratmetern. Den müssen wir uns mit niemandem teilen und ich glaube, davon können Bands aus Köln, Hamburg, München und Berlin nur träumen.

Was ist die größte Belohnung für eure Arbeit?

Jakob: Die größte Belohnung ist es, unsere Musik live zu spielen vor Leuten, die sie kennen, obwohl wir die Leute nicht kennen. Das bleibt der Kern von dem, was wir machen. Das, was wir über alles lieben.

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