08.04.2016, 14.34 Uhr

Echo 2016: Wie rechts ist die Band Frei.Wild wirklich?

Die Band Frei.Wild freut sich am 07. April 2016 in Berlin nach der 25. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo über die Auszeichnung in der Kategorie

Die Band Frei.Wild freut sich am 07. April 2016 in Berlin nach der 25. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo über die Auszeichnung in der Kategorie "Rock/Alternative National".  Bild: dpa

Bei der diesjährigen Echo-Verleihung konnte auch die kontroverse Rock-Band Frei.Wild einen Preis in der Rubrik "Rock / Alternative National" gewinnen. Doch was hat es mit den vier jungen Männern aus Südtirol auf sich und weshalb sorgen ihre Auftritte regelmäßig für Proteste?

Frei.Wild: Nationalstolz aus Südtirol

Frei.Wild singen auf deutsch. Das ist nicht weiter ungewöhnlich. Schaut man jedoch genauer hin, so wird es schon problematischer: Die Band kommt aus Blixen in Südtirol, wo Deutsch gesprochen wird. Die Texte von Sänger Philipp Burger (35) handeln häufig von recht banalen Alltagsdingen: Drogen, Frauen, Freundschaft. Allerdings sind auch Lokalpatriotismus und Heimatverbundenheit durchweg in ihrer Musik als Themen präsent.

Frei.Wild-Frontmann Philipp Burger: Früher Sänger in Rechtsrock-Band

Wie der "Express" online berichtet, soll Burger früher bei der rechtsgerichteten Musikgruppe Kaiserjäger gesungen haben, deren Lied "Südtirol" von Kritikern als nationalistisch und rechtspopulistisch eingestuft wird.

Der größte Kritikpunkt seitens führender Extremismus-Forscher an Frei.Wild heute: Die Band verbreite ebenfalls rechtes oder gar rechtsextremes Gedankengut und habe sich nie ausreichend von Fans aus der rechten Szene distanziert.

"Traditionen und Bräuche sind uns wichtig"

Die Musiker selber widersprechen diesen Vorwürfen zwar immer wieder. Der "TAZ" sagte Sänger Burger in einem Interview: "Wir haben bestimmt eine konservative Wertehaltung. Traditionen und Bräuche sind uns wichtig. Aber von allem Rechtsextremen distanzieren wir uns vehement."

Doch gerade in Deutschland formiert sich seit einigen Jahren Widerstand gegen die Band: Noch 2013 wurde Frei.Wild wieder von der Nominierungsliste der Echos gestrichen, nachdem zahlreiche Musikkollegen wie die Band Kraftklub mit einem Boykott gedroht hatten.

Frei.Wild und der Echo 2016: Erfolg ungebrochen

Dennoch: Frei.Wild sind ungemein erfolgreich. 2009 erreichte ihr sechstes Studioalbum Platz 15 der deutschen Albumcharts, ein Jahr später gelang mit "Gegengift" sogar der Sprung auf Platz 2. Ihre letzten drei Alben schafften es am Ende immer an die Spitze.

Und nun der Echo: Nachdem sie selbst im letzten Jahr aufgrund der Entscheidung von 2013 der Verleihung aus Protest ferngeblieben waren, konnten Frei.Wild nun die Trophäe in diesem Jahr mit nach Südtirol nehmen. Nach eigener Auskunft will die Band den Echo als Symbol für Widerstand gegen Ausgrenzung präsentieren.

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lid/sam/news.de
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