21.12.2014

FuckUpNights: Versagen im ganz großen Stil - Loser packen aus!

In bereits über 50 Städten weltweit erzählen Menschen von ihren Fehltritten.

In bereits über 50 Städten weltweit erzählen Menschen von ihren Fehltritten. Bild: istock

Bei sogenannten FuckUpNights können Gescheiterte ihre ganz persönliche Geschichte erzählen. Millionen in den Wind geschlagen? Karriere-Aus und der ganz tiefe Fall? Dann bietet sich hier die Möglichkeit für den ganz großen Auftritt. Schwer ist es nicht, Teilnehmer zu finden, die ihre Geschichte auf der Bühne erzählen wollen, berichtet Yvonne Firdaus, Veranstalterin von FuckUpNights, in einem Interview mit news.de.

Die Geschäftsführerin der Coworking Space GarageBilk in Düsseldorf hat die ersten drei FuckUpNights in Deutschland veranstaltet und freut sich über den großen Zuspruch. Aber was ist eine FuckUpNights eigentlich genau?

FuckUpNights in Deutschland - die Idee stammt aus Mexico

Die Idee der FuckUpNights stammt aus Mexico. Freunde unterhielten sich über ihre unternehmerischen Erfahrungen und tauschten sich über gemachte Fehler aus. Der Grundstein für die Veranstaltungsreihe war gelegt. Was so unterhaltsam war, muss doch auch für andere von Nutzen sein! «Mittlerweise finden die Nights in über 50 Städten weltweit statt und es werden jede Woche mehr», so Firdaus stolz.

Im April 2014 wurde die erste FuckUpNight in Düsseldorf veranstaltet. Neben den Geschichten auf der Bühne gab es für ein paar Euro Eintritt Freibier und Geselligkeit. «Es scheint einen großen Bedarf zu geben, zur Abwechslung auch mal über die Sachen und Projekte zu sprechen, die man komplett versemmelt hat», erklärt die Veranstalterin. Klar darf da auch die gewisse Ironie nicht fehlen!

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Desaströs gescheitert? Reaktionen waren verheerend

So sind es gar nicht nur die großen Fehltritte, die auf der Bühne erzählt werden, sondern auch die kleinen Erfahrungen, die für Unterhaltung sorgen. Etwa, wenn Entwickler Stefan Lange von seinem gescheiterten Versuch erzählt, eine iPhone-App auf den Markt zu bringen, die auch nach mehreren Versionen «verheerende» Reaktionen auslöste.

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Und das auf eine so charmante Art und Weise, dass jeder Zuhörer sich vielleicht ein Stück weit selbst wieder erkennt. Wichtig dabei immer: Was würde ich anders machen? «Es geht um den offenen Austausch zwischen Sprecher und Publikum», so Firdaus.

Yvonne Firdaus, Geschäftsführerin der Coworking Space GarageBilk in Düsseldorf.

Yvonne Firdaus, Geschäftsführerin der Coworking Space GarageBilk in Düsseldorf. Bild: Yvonne Firdaus

Dennoch: Wenn es nach Frau Firdaus geht, sind FuckUpNights ganz bestimmt keine Selbsterfahrungsgruppe. Das haben ihr auch mehrere Teilnehmer bestätigt.

Firdaus: «Es geht um's Machen»

«Scheitern ist in Deutschland - anders als in den USA - mit einem Makel behaftet. Man redet lieber nicht darüber. Aber eigentlich ist das Quatsch. Es geht ums Machen. Und wer viel macht, macht auch viele Fehler.» Und die können durchaus unterhaltsam sein.

Dass viele Menschen ihre Erfahrungen mit anderen ganz öffentlich teilen wollen, sagt auch viel über die Gesellschaft aus.

Es könne daran liegen, dass in den meisten Unternehmen immer nach Perfektion gestrebt und über Rückschläge - wenn überhaupt - nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen werde, mutmaßt Firdaus. «Vielleicht ist das der Grund, weswegen so viele Menschen zu den FuckUpNights kommen.»

Im Hinblick aufs Jahresende lohnt es sich sicherlich, auf sein persönliches Jahr ausnahmsweise einmal mit einem Lächeln zurückzublicken. Und die guten Vorsätze einfach mal ruhen zu lassen. «Es geht ums Machen!»

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ife/zij/news.de
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Kommentare

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Kommentar Nr. 1 – 19.01.2015 18:31

von Christian Ulrich

Für die europäische Kultur ist es eigentlich üblich sich für Misserfolge zu schämen und selbige zu vertuschen. Andere Länder pflegen dabei eine ganz andere Kultur. Dem liegt auch ein anderes Bild von Menschen zugrunde, welche prinzipiell in Erfolgssucher und Misserfolgsmeider differenziert werden können. Auch wir, an einem Schweizer Bildungsinstitut, haben uns schon überlegt solche Veranstaltungen abzuhalten. Wir sind überzeugt, dass hier neben obligatem Netzwerken viel gelernt werden kann.

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