13.07.2019, 17.25 Uhr

Infektionen: Ekelalarm! Syphilis auf dem Vormarsch

Geschlechtskrankheiten breiten sich aus

Geschlechtskrankheiten breiten sich aus Bild: Peter Endig/dpa

Im aktuellen Bericht des Europäischen Zentrums für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) ist von einem europaweiten Anstieg von 70 % auf 33.193 Erkrankungsfällen innerhalb der Jahre 2010 bis 2017 die Rede. Das ist ein neuer Negativ-Rekord. Die beim Geschlechtsverkehr übertragene Krankheit ging in den 1980er Jahren stark zurück, als aufgrund des vermehrten Aufkommens des Hi-Viruses zum Kondom gegriffen wurde. Da die Diagnose AIDS inzwischen kein Todesurteil mehr bedeutet, nimmt auch das Bewusstsein für Safer Sex ab.

Christopher Kolumbus brachte die Krankheit nach Europa

Molekularbiologen haben inzwischen herausgefunden, dass höchstwahrscheinlich Christopher Kolumbus das spiralförmige Bakterium Treponema pallidum nach der Rückkehr von seiner zweiten Fahrt nach Hispaniola (dem heutigen Haiti) in Europa einschleppte. Ausgrabungen zeigten jedoch, dass ein weniger aggressiver Stamm schon zuvor in Europa tätig war. Tatsächlich breitete sich die Krankheit rasend schnell zwischen 1493 und 1495 von den spanischen auf die italienischen Hafenstädte aus. Während der Belagerung Neapels 1495 durch Karl VIII. wurde gar von einer Syphilis-Epidemie gesprochen. Die dort kämpfenden Söldner verteilten später das Bakterium auf ganz Europa.

Ekelige Symptome

Im ersten Stadium der Erkrankung kommt es an der Eintrittsstelle des Erregers zu einem eitrigen Geschwür. Dieses heilt nach einigen Wochen wieder ab. Danach folgt ein Hautausschlag am ganzen Körper und Fieber. Bei rund 30 % der Erkrankten setzt eine Spontanheilung ein. In den meisten anderen Fällen jedoch befällt die Krankheit Jahre später schlimmstenfalls auch die Organe und Gefäße. Ist die Hauptschlagader betroffen und die Aussackung platzt auf, so führt dies innerhalb weniger Minuten zum Tod durch Verbluten. Auch ein viertes Stadium kann eintreten, wenn das Zentrale Nervensystem infiziert wurde. Gehirnzellen und das Rückenmark sterben ab. Im ersten und zweiten Stadium wirkt Penicillin; sind jedoch bereits Organe oder Gefäße betroffen, ist die Krankheit irreversibel.

Risikogruppe: Männer zwischen 25 und 34 Jahren

Syphilis wird ausschließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen. Außerhalb des Körper stirbt der Erreger sehr rasch ab, innerhalb teilt er sich alle 36 Stunden.
Aus der Studie geht hervor, dass vornehmlich Männer betroffen sind, die in Städten leben und vermehrt Sex mit wechselnden Partnerinnen/Partnern haben. Inzwischen wurden erstmals mehr Syphilis- als HIV-Erkrankungen gemeldet. Die Experten des ECDC sprechen sogar von mehr als einer Verdoppelung der Fälle in Deutschland: Von 4 auf 9,1 Erkrankungen pro 100.000 Einwohnern. Nur in Estland und Rumänien ist die Zahl der Neuinfektionen deutlich zurück gegangen,
Schutz bietet ausschließlich die Verwendung eines Kondoms oder Monogamie beider Sex-Partner.

US/add/news.de
Themen: Krankheit, Sex
Cholesterin senken ohne MedikamenteGefahr durch KlimawandelBonnie StrangeNeue Nachrichten auf der Startseite