21.06.2019, 09.16 Uhr

Gesundheit: Fett macht nicht fett!

"fett" durch Fett? Bild: picture alliance / Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Die Daten von nicht weniger als 600.000 Menschen wurden in der Studie der Forscher des National Centers for Health Statistics und der Cornell University Ithaca/New York miteinander verglichen – es war die bislang größte in diesem Bereich durchgeführte Untersuchung. Dabei stießen die Wissenschaftler auf ein durchaus überraschendes Ergebnis: Eine Fettreduktion in der Ernährung hat keine signifikante Auswirkung auf die Sterblichkeit des Menschen! Die geringste Mortalitätsrate liegt gar bei leicht übergewichtigen Personen. Fett gilt in der mitteleuropäischen Küche als Geschmacksträger. Ein Schweinebraten ohne Fett ist kein Schweinebraten, eine Rindssuppe ohne fettes Suppenfleisch keine Rindssuppe. Wird der Fettanteil in der Nahrung um 25 % gesenkt, so beeinflusst dies die Blutfettwerte gerade mal um 3 %. Während beispielsweise die Massai bis zu 60 % ihres täglichen Gesamtkalorienbedarfs als Fett zu sich nehmen, gibt es dort weniger Arteriosklerose-Fälle als in Deutschland (36 % des Gesamtkalorienbedarfs).

Blutzucker ist entscheidend

Mit nahezu jeder Nahrung werden dem menschlichen Körper Kohlehydrate zugeführt. Der Einfachzucker (Fruchtzucker, Traubenzucker) geht dabei nahezu direkt in's Blut über, damit die Mitochondrien der Körperzellen "Brennmaterial" für die Energieproduktion erhalten. Doppel- und Mehrfachzucker müssen zuerst noch umgewandelt werden. Steigt nun der Blutzuckerwert, so produzieren die Betazellen der Bauchspeicheldrüse Insulin um diesen Blutzucker abzubauen. Dabei wird in der Lipogenese das Endprodukt als Fett abgelagert. Insulin fördert alsdann Übergewicht und Fettleibigkeit. Somit kann also Diabetes-II durch die ständige Insulin-Produktion der Betazellen entstehen, die durch die kleinen Mahlzeiten zwischendurch vermehrt auf Hochtouren laufen.

3x täglich Essen

Michel Montignac war als Kind selbst von Übergewicht betroffen. Der inzwischen verstorbene Buchautor entwickelte deshalb die Montignac-Methode: Lebensmittel sollten nach ihren ernährungsspezifischen Eigenschaften und ihrem Stoffwechselpotential (dem "Glykämischen Index" GI) ausgesucht werden. Dabei werden die Kohlehydrate nach ihrer Wirksamkeit auf die Blutzuckerproduktion verglichen. Bei niedrigem GI beginnt der Körper von sich aus mit dem Abbau von Speicherfett. Dadurch kann ohne Probleme das Idealgewicht erreicht und auch gehalten werden. Glukose (etwa Traubenzucker) weist einen GI von 100 auf, weißer klebriger Reis 87, Cola 63 und Erdnüsse gar nur 14!

Langsamere Verwertung

Lebensmittel mit niedrigem GI-Wert ermöglichen zudem die langsamere Produktion des Glukagons, das dafür verantwortlich ist, dass der Blutzucker möglichst rasch in die Muskel- und Fettzellen gelangt. Somit kann trotz leichter Unterzuckerung noch Glukose verbrannt werden. Der Hunger kommt weniger häufig. Die Kohlenhydrate von Lebensmitteln mit hohem GI hingegen werden durch vermehrte Insulin- und Glukagon-Produktion rascher verarbeitet und weitergeleitet – der Körper verspürt schneller wieder Hunger. Das Phänomen ist am besten beim Weißbrot erkennbar: Weißbrot hat einen höheren GI als weißer Haushaltszucker. Der Hunger kommt nach einem Frühstück mit Toast oder Baguette wesentlich schneller als nach Roggenbrot oder Kornbrötchen!

US/add/news.de
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