26.04.2019, 09.01 Uhr

Zecken-Saison 2019 aktuell: SO schützen Sie sich vor Borreliose, FSME und Co.

Kaum klettern die Temperaturen im Frühjahr in die Höhe, steigt auch das Zecken-Risiko an.

Kaum klettern die Temperaturen im Frühjahr in die Höhe, steigt auch das Zecken-Risiko an. Bild: Patrick Pleul / ZB / picture alliance / dpa

Die milden Winter und heißen Sommer der vergangenen Jahre trieben nicht nur vermehrt Frischluftfanatiker nach draußen, auch die Natur reagierte auf die Umweltveränderungen: Die Population der einheimischen Zecken wuchs rapide an -und gleichzeitig breiten sich neue Arten aus, die es in Deutschland bisher nicht gab, wie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) zu bedenken gab.

Kaum zieht der Frühling über Deutschland, erwachen auch die Zecken zu neuem Leben: bereits bei Temperaturen über 6 Grad Celsius werden die blutsaugenden Ektoparasiten aktiv. Das Jahr 2019 könnte Experteneinschätzungen zufolge besonders heftig in punkto Zecken werden.

Diagnose FSME und Borreliose: Wie schütze ich mich vor Frühsommer-Meningoenzephalitis?

Ein Zeckenbiss ist nicht nur lästig, sondern kann auch ernsthafte Erkrankungen nach sich ziehen. Zwei der gefährlichsten Krankheiten, die von Zecken übertragen werden, sind Lyme-Borreliose einerseits und Frühsommer-Meningoenzephalitis andererseits.

Gesundheitsgefahr durch Zeckenbiss: Welche Risikogebiete gibt es in Deutschland?

Als Risikogebiete für FSME gelten Bayern und Baden-Württemberg, Teile von Hessen, Thüringen und Sachsen sowie einzelne Gebiete im Saarland, in Rheinland-Pfalz und neuerdings auch im niedersächsischen Emsland. Eine Impfung gegen FSME lohnt sich auch für Reisende, die Urlaub in diesen Regionen machen oder zum Beispiel in Österreich und Skandinavien unterwegs sind. Wer in Risikogebieten lebt, dem werden die Kosten für eine FSME-Impfung in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

Erhöhtes FSME-Risiko jetzt auch im Norden Deutschlands

In Deutschland sind 2018 überdurchschnittlich viele Menschen an der von Zecken übertragenen Hirnentzündung FSME erkrankt. Zudem gab es bei den Risikogebieten einen Sprung nach Norden. Mit 583 gemeldeten Fällen von Frühsommer-Meningoenzephalitis wurde der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2006 (546) überschritten. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin hervor.

Demnach gibt es nun erstmals ein FSME-Risikogebiet in Norddeutschland: Im niedersächsischen Landkreis Emsland waren vermehrt Menschen erkrankt. Die vier weiteren neuen Risikogebiete in Sachsen und Bayern grenzen an bestehende Risikogebiete. Weiterhin besteht ein Risiko laut RKI vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen und in Teilen Sachsens. "Es muss sorgfältig beobachtet werden, ob FSME-Naturherde sich nachhaltig in nördlichen und westlichen Regionen Deutschlands etablieren beziehungsweise weiter ausbreiten", schreiben die Experten.

Wanderurlaub am besten mit Impfung: 2019 sind in Deutschland vermutlich besonders viele Zecken unterwegs.

Wanderurlaub am besten mit Impfung: 2019 sind in Deutschland vermutlich besonders viele Zecken unterwegs. Bild: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Experten warnen: Fälle von FSME in Deutschland nehmen stetig zu

Die Werte von 2018 lagen 20 Prozent über denen des Vorjahres. Eine RKI-Sprecherin sagte, Schwankungen der Fallzahlen seien bei FSME üblich. Vermutlich habe der gute Sommer 2018 günstige Bedingungen für die Übertragung von FSME-Viren geschaffen. Im Bericht heißt es, auch in anderen Jahren mit hohen Fallzahlen habe wahrscheinlich das Zusammenspiel ökologisch-klimatischer Faktoren das Geschehen begünstigt: Zecken und Viren seien vermutlich verbreiteter gewesen, zudem führe schönes Wetter mehr Menschen in die Natur.

FSME-Impfung schützt vor Frühsommer-Meningoenzephalitis

Menschen, die in Risikogebieten Kontakt zu Zecken haben könnten, wird eine Schutzimpfung empfohlen. Die FSME-Impfquoten dort seien "nach wie vor unzureichend, um eine starke Zunahme der FSME-Fallzahlen" zu verhindern, heißt es im Bericht. Ein Großteil der Erkrankungen wird als vermeidbar eingestuft. 98 Prozent der 2018 erfassten FSME-Patienten waren nicht oder unzureichend geimpft.

Die ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt diese allen Forstarbeitern. Zudem sollten sich Kinder und Erwachsene impfen lassen, die in Risikogebieten leben und der Gefahr eines Zeckenbisses ausgesetzt sind - durch häufige Aufenthalte im Wald etwa.

Das Risiko, an FSME zu erkranken, steigt laut RKI ab 40 Jahren deutlich an, Männer seien gefährdeter als Frauen. Die Zeit von Mai bis Oktober gilt als Hochphase. Die Krankheit beginnt mit grippeähnlichen Beschwerden. Bei einer Minderheit der Betroffenen kann es nach kurzer Zeit ohne Symptome zu einer zweiten Phase mit Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung kommen. Bei sehr schweren Verläufen sind Ausfälle mit leichten Lähmungen, Anfallsleiden oder lange andauernden Kopfschmerzen möglich. Nur im Extremfall verläuft die Krankheit tödlich.

Vorsicht vor Zecken - auch DIESE Krankheiten können übertragen werden

Zecken können neben FSME-Viren weitere Erreger übertragen, etwa die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose. Nach einem Zeckenstich bildet sich dann oft ein charakteristischer roter Ring auf der Haut, die Mediziner auch "Wanderröte" nennen. Weitere Symptome können Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Fieber sein. Es gibt Antibiotika gegen die Krankheit. Unbehandelt sind jedoch verschiedene Spätfolgen möglich. Typische Risikogebiete und einen Impfschutz gibt es nicht.

Was tun bei einem Zeckenbiss? Experten klären über Schutz vor Zecken auf

Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, Zecken immer umgehend zu entfernen und die Wunde zu desinfizieren. Zum Schutz gegen Zecken rät die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) außerdem, im Wald möglichst auf lichten Wegen zu bleiben und nicht durchs Gebüsch, Unterholz oder über ungemähte Wiesen zu wandern. Lange, geschlossene Kleidung in hellen Tönen hält die Quälgeister fern, genau wie Schutzmittel aus der Apotheke oder Naturstoffe wie Lavendelöl. Nach einer Wanderung sucht man am besten den ganzen Körper nach Zecken ab, vor allem Kniekehlen und Achselhöhlen. Und Tierhalter sollten daran denken, auch Hunde oder Katzen vor Zecken zu schützen.

Folgen Sie News.de schon bei Facebookund Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

loc/news.de/dpa
Grillsaison 2019Mythos oder WahrheitGermany's Next Topmodel 2019 im Live-TickerNeue Nachrichten auf der Startseite