21.03.2019, 08.44 Uhr

Heuschnupfen am Frühlingsanfang 2019: Pollen-Alarm! Das sollten Sie jetzt wissen

Kein Frühling zum Genießen: Für manche Betroffene ist Heuschnupfen nur nervig - andere leiden aber auch richtig darunter.

Kein Frühling zum Genießen: Für manche Betroffene ist Heuschnupfen nur nervig - andere leiden aber auch richtig darunter. Bild: Christin Klose/dpa

Endlich Frühling! Viele Menschen atmen da erleichtert auf - andere würden am liebsten die Luft anhalten. Denn der Heuschnupfen sorgt dafür, dass sie sich über das Ende des Winters nicht nur freuen können. Für viele Pollenallergiker fühlt sich bereits der Februar und März in diesem Jahr schon wie April oder Mai an.

Milder Winter, starke Blüte - Heuschnupfen plagt Millionen Deutsche

Zweistellige Temperaturen, teils kräftige Sonne und kaum Regen - schon vor dem meteorologischen Frühlingsbeginn am 1. März war die Konzentration von Erlenpollen an manchen Orten in Deutschland auf außergewöhnlich hohe Werte gestiegen. Ende Februar ist an einem Tag die höchste je seit 1985 gemessene Zahl von Erlenpollen in der Luft gemessen worden, sagt der Meteorologe Thomas Dümmel von der FU Berlin. Der bisherige Rekord von 2017, der bereits ein Extremwert gewesen sei, wurde demnach noch deutlich überschritten.

Heuschnupfen-Saison im März 2019: Frühlingsanfang bringt Sonnenschein und mehr Pollen

Pünktlich zum kalendarischen Frühlingsanfang am 20. März wird nicht nur das Wetter wieder deutlich milder, sondern es sind auch wieder deutlich mehr Pollen in der Luft. Während Hasel und Erle allmählich verschwinden, die bereits im Januar und Februar unterwegs waren, haben Allergiker im März neben Pappel und Weide auch noch mit Buche und Ulme zu kämpfen. Hinzu kommen die ersten aggressiven Birkenpollen, auf die viele Menschen recht stark allergisch reagieren. Dass sich der Pollenflug aktuell verstärkt, haben wir Hoch "Hannelore" zu verdanken, das für Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen bis zu 20 Grad sorgt, vor allem im Südwesten. Parallel dazu breiten sich die Birkenpollen zunächst entlang des Rheins aus, wie "wetter.net" berichtet, und später auch in den anderen Landesteilen.

Was genau versteht man unter Heuschnupfen?

Für manche Betroffene ist die Pollenflug-Saison sogar die mit Abstand schlimmste Jahreszeit. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Heuschnupfen gibt Carsten Schmidt-Weber, Professor an der Technischen Universität München und Leiter des Zentrums für Allergie und Umwelt (ZAUM).

Mediziner sprechen bei dem Phänomen von allergischer Rhinitis - also einer durch Allergien verursachten Entzündung der Nasenschleimhaut, die mit Fließschnupfen einhergeht. Auslöser dieser Krankheit können zum Beispiel Hausstaubmilben sein, aber eben auch die Pollen von Pflanzen. "Dem Begriff nach bezieht sich Heuschnupfen eigentlich nur auf Gräser", sagt Schmidt-Weber. Die Bäume seien aber mitgemeint - vom "Baumschnupfen" spricht ja niemand.

Wann und wo fliegen die meisten Pollen?

Was wann unterwegs ist, verrät der Pollenflugkalender. Ein Blick darauf zeigt schnell: Die meisten Pollen sind zwar im Frühjahr unterwegs, frei von der Pollenbelastung ist aber kaum eine Jahreszeit. "Es gibt zum Beispiel eine neue Erlensorte, die schon im Dezember blüht", sagt Schmidt-Weber. "Und wenn Sie dann nicht nur darauf reagieren, sondern zum Beispiel auch auf die Ambrosia, die erst im Herbst blüht, haben Sie fast das ganze Jahr damit zu tun."

Wer ist von Heuschnupfen und Allergien am stärksten betroffen?

Es gibt einen Stadt-Land-Faktor, sagt Schmidt-Weber: In Ballungsräumen tritt Heuschnupfen häufiger auf. Die Gründe dafür seien aber unklar. Zudem ist Heuschnupfen erblich - teilweise. "Wenn schon ein Elternteil das hat, hat das Kind ein höheres Risiko, auch daran zu erkranken", so der Experte. "Es gibt aber keine Garantie - und umgekehrt auch keine Sicherheit, es nicht zu bekommen, wenn die Eltern keine Allergien haben."

Können sich Allergien im Lauf der Zeit ändern?

Ja - aber nicht unbedingt in beide Richtungen. "Man muss nicht von Beginn an Allergien gegen etwas entwickeln, das kann einen zu jeder Zeit erwischen - auch mit 30 oder 75", sagt Schmidt-Weber. Häufig sei es auch so, dass mit der Zeit weitere Allergien hinzukommen, gegen Hausstaubmilben etwa. Fälle von wieder verschwindenden Allergien mag es zwar geben. Verlässlich dokumentiert seien sie bislang aber nicht.

Test auf Allergien: Wie finde ich heraus, ob ich Heuschnupfen habe?

Beim Allergologen gibt es verschiedene Formen von Tests, meistens an Haut oder Nase. So finden Betroffene nicht nur eventuelle Pollenallergien, sondern auch die dazugehörigen Kreuzallergien. Grundsätzlich gilt dabei: Heuschnupfen ist sehr individuell, fast jeder Patient reagiert auf unterschiedliche Pollen unterschiedlich stark. Mono-Allergien sind allerdings selten: Die meisten Allergiker niesen und husten bei mehreren Pollenarten.

Was sind Kreuzallergien?

Eine Allergie gegen bestimmte Pollen geht häufig mit einer Allergie gegen bestimmte Lebensmittel einher - weil sich die darin enthaltenen Allergene, die Allergie-Auslöser also, sehr ähnlich sind. "Wer also zum Beispiel allergisch auf die Birke reagiert, wird wohl auch Probleme mit Hase, Apfel oder Karotte haben", erklärt Schmidt-Weber. Typische Symptome sind ein Jucken an Lippen, Zunge, Gaumen, Rachen oder sogar an den Gehörgängen. Teils kommen auch Schwellungen oder Magen-Darm-Beschwerden hinzu - Bauchschmerzen oder Erbrechen etwa.

Wie gefährlich ist Heuschnupfen?

Kommt drauf an. "Die allergische Rhinitis ist erst einmal nur nervig", sagt Schmidt-Weber. Obwohl sie natürlich einen Verlust an Lebensqualität bedeute. Untersuchungen zufolge könnten darunter zum Beispiel auch Noten von Schulkindern leiden. Gefährlich wird die Rhinitis allerdings erst, wenn sie sich ausweitet - hin zum allergischen Asthma. Spätestens dann wird es Zeit für eine Behandlung.

Therapie von Heuschnupfen: Was hilft gegen Allergien im Frühling?

Langfristig behandeln lässt sich Heuschnupfen mit der Immuntherapie oder Hyposensibilisierung. Die empfiehlt Schmidt-Weber schon bei einer Rhinitis - also noch bevor daraus Asthma wird. Zur Behandlung der Symptome gibt es Tabletten, Nasensprays oder Augentropfen. Diese Anti-Histaminika haben jedoch Nebenwirkungen - allen voran Müdigkeit. "Das lässt sich vielleicht umgehen, indem man sie abends einnimmt", sagt Schmidt-Weber. Zudem seien Alternativen wie Kortison-Sprays gegen Heuschnupfen inzwischen auch rezeptfrei erhältlich.

Kann man Heuschnupfen ohne Medikamente behandeln?

Das kommt auf die Schwere der Allergie an - und darauf, wie viele Pollen unterwegs sind. Denn wirklich aus dem Weg gehen können Betroffene den Erregern im Alltag kaum. "Es kann aber Methoden geben, die im Einzelfall helfen", so Schmidt-Weber. Abendliches Haarewaschen kann zum Beispiel nützlich sein, oder die am Tag getragenen Klamotten nicht im Schlafzimmer zu lagern. Oder man lüftet nur mit gekipptem Fenster, um möglichst wenig Pollen in die Wohnung zu lassen. Hier gilt im Zweifelsfall: ausprobieren hilft.

Heuschnupfen betrifft nach Angaben des Polleninformationsdienstes etwa zwölf Millionen Menschen in Deutschland, laut einer Studie des Robert Koch-Instituts sind mehr als eine Million Betroffene Kinder und Jugendliche. Das RKI sieht allergische Erkrankungen als eine der häufigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen überhaupt. Das Vorkommen habe sich zuletzt auf hohem Niveau stabilisiert.

Die Hygiene heutzutage gilt als einer der Faktoren, die das Entstehen von Allergien begünstigen. Blütenstaub ist eigentlich harmlos, das sensibilisierte Immunsystem von Allergikern schaltet dennoch beim Kontakt mit den Schleimhäuten auf Abwehr: Tränende, juckende Augen, Niesanfälle und starker Schnupfen sind mögliche Folgen. Die Beschwerden können mit der Zeit - insbesondere wenn sie unbehandelt bleiben - neben den oberen Atemwegen auch die unteren Atemwege betreffen, chronisches Asthma droht.

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loc/news.de/dpa
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