26.10.2018, 13.43 Uhr

Klinik-Skandal in Donauwörth in Bayern: Immer mehr Hepatitis-C-Infektionen! Alles zu Übertragung und Symptomen

Schematische Darstellung von Hepatitis-C-Viren.

Schematische Darstellung von Hepatitis-C-Viren. Bild: dpa

Im bayerischen Donauwörth steigt die Zahl von Hepatitis-C-Infektionen immer weiter an. Jetzt wurde publik, dass ein Narkosearzt mindestens 23 Patienten mit der Leberentzündung angesteckt haben soll.

+++ Update vom 26.10.2018: Klinik-Skandal weitet sich aus: Schon 23 Hepatitis-C-Infektionen +++

Im Donauwörther Klinik-Skandal steigt die Zahl der festgestellten Hepatitis C-Infektionen weiter an. Bis Freitagmittag waren dem zuständigen Gesundheitsamt 23 Fälle bekannt.Der Mediziner, der selbst an Hepatitis C litt, arbeitet seit einigen Monaten nicht mehr in Donauwörth. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft. Sie untersucht auch, ob der Mann sich selbst Arzneien gespritzt und dieselben Spritzen dann für Patienten verwendet hatte. Normalerweise wird die Infektion nur über Blutkontakt übertragen.

Hepatitis-C-Infektionen in Donauwörth nehmen zu

Wie die Onlineseite "Stuttgarter Nachrichten" berichtet, gibt es im Donauwörther Krankenhaus inzwischen zwölf Patienten, die an Hepatitis C erkrankt sind. Aber die Zahl der Infizierten könnte noch weiter ansteigen, sagte Gesundheitsamtsleiter Rainer Mainka am Montag. Ein Narkosearzt, der selbst an der Leberentzündung litt, soll die Patienten bei Operationen angesteckt haben. Der Mediziner, der inzwischen nicht mehr in der Klinik tätig ist, war nach Behördenangaben medikamentenabhängig.

Narkosearzt infiziert Klinik-Patienten in Bayern

Das Gesundheitsamt hatte nach der Entdeckung von fünf infizierten OP-Patienten fast 700 weitere Patienten angeschrieben, die zwischen Ende 2016 und Anfang 2018 ebenfalls von dem Arzt betäubt wurden. Die Betroffenen sollen sich bei ihren Hausärzten auf Hepatitis C testen lassen.

Zudem werden auch noch alle Operationsprotokolle aus diesem Zeitraum kontrolliert, um sicherzustellen, dass der beschuldigte Arzt nicht spontan bei weiteren Behandlungen als Narkosearzt eingesprungen ist. "Der Klinik war zum fraglichen Zeitpunkt weder die Hepatitis-C-Infektion noch die Medikamentenabhängigkeit des Anästhesisten bekannt", betonte das Landratsamt.

Übertragung von Hepatitis C erfolgt über Blutkontakt

Wie der Narkosearzt seine Patienten anstecken konnte, ist bislang völlig rätselhaft. Das Hepatitis-C-Virus wird normalerweise nur über Blutkontakt verbreitet. Möglich sei, dass er Spritzen, die er selbst benutzt hat, ebenfalls für die Patienten verwendet haben könnte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Anästhesisten.

Eine Infektion mit Hepatitis C ist nicht ganz ungefährlich. Wird sie nicht rechtzeitig erkannt, kann sie chronisch verlaufen mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen. Verursacht wird die Leberentzündung durch das Hepatitis-C-Virus, kurz HCV. Neben der Übertragung mittels Blutkontakt, sei auch eine sexuelle Übertragung möglich, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) informiert. Demnach steige das Übertragungsrisiko bei bestimmten Sexualpraktiken, etwa wenn Männer Sex mit Männern haben, insbesondere beim Analverkehr.

Symptome bei einer Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus

Die Mehrzahl der Infektionen verläuft zunächst ohne auffällige Symptome, bei einigen stellen sich grippeähnliche Symptome ein, dazu gehören Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Schmerzen im oberen Bauchraum, wie die "Deutsche Aidshilfe" berichtet. Bei etwa einem Viertel der Infizierten heilt die Erkrankung laut RKI spontan aus, bei drei Viertel nimmt Hepatitis C einen chronischen Verlauf.

Zu den typischen Krankheitszeichen zählen dann Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Oberbauch- oder auch Gelenkbeschwerden. Bei etwa 16 bis 20 Prozent der chronisch Infizierten kommt es zu Spätfolgen. Die Leber wird derartig geschädigt, dass es zu einer Leberzirrhose kommt und mithin zu einem erhöhten Risiko für Leberkrebs.

Welche Behandlung gibt es bei chronischer Leberentzündung?

Eine Behandlung ist inzwischen nicht mehr nur mit Interferon, Ribavirin und Proteaseinhibitoren möglich, die mit nicht unerheblichen Nebenwirkungen einhergehen. Seit 2014 stehen für die Therapie der chronischen Hepatitis C eine Reihe von antiviral wirkenden Medikamenten zur Verfügung. Die "Deutsche Aidshilfe" hat eine Liste mit Hepatitis-C-Medikamenten zusammengestellt, die sie hier finden.

Eine Impfung, mit der man sich vor HCV schützen kann, gibt es bislang nicht.

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kad/kns/news.de/dpa
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