18.12.2017, 11.49 Uhr

Hantavirus 2017 in Deutschland: Virus breitet sich aus! Alles zu Ansteckung, Symptomen und Impfung

Tödliche Erreger wie das Hantavirus sind für Mediziner und Forscher von großem Interesse (Symbolbild).

Tödliche Erreger wie das Hantavirus sind für Mediziner und Forscher von großem Interesse (Symbolbild). Bild: Angelika Warmuth / picture alliance / dpa

Vor allem im Südwesten Deutschlands grassierten im Sommer 2017 Infektionen mit dem Hantavirus. Seit Beginn des Jahres wurden dem Landesgesundheitsamt 464 Erkrankungen gemeldet, wie das baden-württembergische Gesundheitsministerium in Stuttgart mitteilte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 22 Fälle. Damit zeichne sich ab, dass 2017 ein "Hantajahr" werde, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne).

Hantavirus 2017: Gehäufte Krankheitsfälle in Baden-Württemberg registriert

Bundesweit wurden dem Robert Koch-Institut bis Mitte Juni 2017 672 Fälle gemeldet; Mitte Dezember belief sich die Zahl der Infektionen auf 928 Fälle. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 77 Fälle. Baden-Württemberg gehört den Angaben zufolge zu den Hauptverbreitungsgebieten in Deutschland. Zum Jahresende 2017 seien die Neuinfektionen der meldepflichtigen Erkrankung allerdings zurückgegangen. Zudem informiert das Robert-Koch-Insitut, dass ländliche Gebiete wie die Schwäbische Alb, Unterfranken, Osthessen oder der Westen Thüringens statistisch gesehen eine Ansteckung mit Hanta-Viren begünstigen, während Großstädte als untypisches Verbreitungsgebiet der Erreger gelten.

Hantavirus ist in Europa weniger gefährlich als in Amerika

Doch wie wird das Hanta-Virus auf den Menschen übertragen, mit welchen Symptomen macht sich eine Infektion bemerkbar und wie wird die Krankheit behandelt? Mediziner fassen unter dem Begriff Hanta-Viren eine Vielzahl von Erregern zusammen, darunter das Hantaan-Virus, das Puumala-Virus oder das Seoul-Virus. In Mitteleuropa sind vor allem das Puumala-Virus oder der Dobrava-Erreger nachgewiesen, während in Amerika andere Virenstämme vorherrschen. Zwar verursachen diese Hanta-Viren neben grippeähnlichen Symptomen auch Blutdruckabfall, Nierenfunktionsstörungen und in schwerwiegenden Fällen Nierenversagen, doch die Sterblichkeitsrate bei Hanta-Virus-Infektionen in Mitteleuropa liegt mit einem Prozent aller diagnostizierten Fälle vergleichsweise niedrig. In Asien sowie Nord- und Mittelamerika sterben bis zu 40 Prozent aller Hanta-Patienten.

Diese Symptome zeigen sich nach einer Ansteckung mit Puumala-Virus oder Dobrava-Belgrad-Virus

Eine Infektion mit Hantaviren, genauer gesagt mit dem Puumala-Virus oder dem Dobrava-Belgrad-Virus, macht sich nach 5 bis 60 Tagen bemerkbar. Zu den Symptomen gehören beispielsweise bis zu vier Tage andauerndes Fieber von mehr als 38 Grad Celsius, Kopf-, Bauch- und Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit, während Blutdruck und Blutgerinnung abnehmen und die Nierenfunktion nachlässt. Der Mediziner spricht zusammengefasst von einem hämorrhagischen Fieber mit einem renalen Syndrom. Auch Darmblutungen oder Sehstörungen wurden bei mit Hantaviren infizierten Patienten beobachtet. Zwar heilt eine Infektion in den meisten Fälle aus, ohne dass Folgeschäden zurückbleiben, doch da es sich bei einer Infektion mit Hanta-Viren um eine meldepflichtige Krankheit handelt, muss umgehend ein Arzt oder das Gesundheitsamt aufgesucht werden, wenn sich erste Anzeichen einer Ansteckung zeigen oder der Verdacht besteht, sich mit dem Hantavirus angesteckt zu haben.

Nimmt die Infektion einen ernsten Verlauf an, ist ein Krankenhausaufenthalt angezeigt, um schwere und irreversible Schädigungen der Nieren zu vermeiden. Bisweilen dauert es Monate, bis sich die virusbedingten Veränderungen im Blutbild normalisieren, doch tödlich kann eine Hantavirus-Infektion hauptsächlich werden, wenn die Krankheit unbehandelt bleibt.

Die Rötelmaus gilt als Hauptüberträger von Hanta-Viren.

Die Rötelmaus gilt als Hauptüberträger von Hanta-Viren. Bild: Lehtikuva Kimmo Taskinen / Lehtikuva_Oy / picture alliance / dpa

Keine Impfung gegen Hanta-Virus in Deutschland: So schützen Sie sich vor Ansteckung

Auch wenn das Hantavirus in Deutschland alles andere als selten ist: Sich mit einer Impfung vor einer Ansteckung zu schützen, ist derzeit noch nicht möglich. In der Forschung wird aktuell noch nach einem Impfstoff geforscht, der vor einer Infektion mit Hantaviren schützt. Bis eine Impfung verfügbar ist, sind besondere Vorsichtsmaßnahmen erforderlich, um sich nicht mit dem Hantavirus anzustecken.

So ist die Ansteckungsgefahr beispielsweise auf staubigen Dachböden, in Kellern oder Garagen hoch, denn hier verstecken sich Rötelmäuse besonders gern. Die kleinen Nagetiere sind die Hauptüberträger von Hantaviren - gibt es wie im Jahr 2016 besonders viele Bucheckern, finden die Nager viel Futter, vermehren sich explosionsartig und übertragen auch das Hantavirus häufiger. Die Erreger sind im Speichel der Nager oder in den Ausscheidungen der Mäuse zu finden, die beim Aufräumen von Kellern oder Dachböden aufgewirbelt und von Menschen eingeatmet werden.

Nagerkot als Infektionsquelle: Bloß keinen Staub aufwirbeln!

Als wirksame Vorbeugung einer Hantavirus-Infektion gilt einerseits der Schutz beim Entfernen von Nagerkot. Einweghandschuhe und ein Mundschutz sind Pflicht, um mit den Ausscheidungen nicht in Kontakt zu kommen. Auch die Bekämpfung von Nagetieren im menschlichen Umfeld ist geeignet, um eine Ansteckung mit dem Hantavirus zu vermeiden. Ist eine Rötelmaus nämlich mit dem Hantavirus infiziert, überträgt das Tier lebenslang den Erreger, ohne selbst Symptome aufzuweisen.

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loc/kad/news.de/dpa
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