01.08.2017, 10.37 Uhr

Lebensmittelrückruf: Fipronil-Skandal um Eier - weitere Packstellen geprüft

Verbraucher sind verunsichert, nachdem mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier in den Handel gelangt sind (Symbolfoto).

Verbraucher sind verunsichert, nachdem mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier in den Handel gelangt sind (Symbolfoto). Bild: Malte Christians / picture alliance / dpa

Mit dem Insektenbekämpfungsmittel Fipronil verseuchte Eier sind in Nordrhein-Westfalen in den Handel gelangt. In einer Packstelle im Kreis Borken in Nordrhein-Westfalen wurden die mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier gefunden.Offenbar kamen die kontaminierten Eier aus Belgien und den Niederlanden.

Insektizid-Eier in NRW und Niedersachsen: Gesundheitsrisiko durch Biozid Fipronil

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) hat die Rückgabe von Eiern aus Belgien und den Niederlanden empfohlen, die mit dem Insektizid Fipronil belastet sein könnten. Etwa 1,3 Millionen dieser Eier seien über eine Packstelle in Nordrhein-Westfalen auch nach Niedersachsen gelangt, teilte das Agrarministerium am Montagabend mit. "Es gilt in der Europäischen Union bei Fipronil Nulltoleranz", sagte der Minister demnach. "Das Insektizid hat in Lebensmitteln nichts zu suchen. Punkt."

Aufgrund von Analyseergebnissen in Belgien hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor einem potenziell akuten Gesundheitsrisiko für Kinder beim Verzehr der Eier gewarnt. Für andere Menschen wurde dies ausgeschlossen,ein hohes Gesundheitsrisiko besteht laut Ministerium nicht.

Achtung, nicht essen! DIESE Eier sind mit Fipronil verseucht

Die entsprechenden Chargen der Eier tragen nach Angaben des niedersächsischen Ministeriums die Stempelaufdrucke 1-NL 4128604 oder 1-NL 4286001 sowie die Mindesthaltbarkeitsdaten (MHD) 14.08.2017 und 16.08.2017. In Nordrhein-Westfalen hatte das Landwirtschaftsministerium bereits am Sonntag den Rückruf der betroffenen Eier veröffentlicht. Es handele sich insgesamt um 2,9 Millionen Eier, von denen 875.000 in den Handel gelangt seien, hieß es dort. Zur Erläuterung hieß es auf der Website des Düsseldorfer Ministeriums, "da der Stoff Fipronil nicht in Bereichen der Erzeugung von Lebensmitteln eingesetzt werden darf, müssen alle damit belasteten Erzeugnisse, unabhängig von der Höhe der Belastung, aus dem Verkehr genommen werden".

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Was ist Fipronil und wofür wird das Insektizid angewendet?

Fipronil werde vielfach als Pflanzenschutzmittel genutzt, in der Tiermedizin werde es als Mittel gegen Flöhe und Zecken bei Hunden und Katzen sowie zur Bekämpfung von Läusen, Schaben und Milben eingesetzt. Die Anwendung bei Tieren, die als Lebensmittel genutzt werden, sei dagegen nicht erlaubt.Der in den 1980er Jahren in Frankreich entwickelte Wirkstoff ist allerdings auch für Honigbienen in hohem Maße giftig. 2013 hat die Europäische Union daher beschlossen, den Einsatz des Mittels in der Landwirtschaft zu begrenzen. Um Bienenvölker besser zu schützen, darf es zum Beispiel nicht mehr zur Saatgutbehandlung von Mais verwendet werden. Beim Menschen kann Fipronil Haut und Augen reizen sowie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen. In hoher Dosis kann das Insektizid Schäden an Leber, Schilddrüse oder Niere verursachen, sagte eine Sprecherin der NVWA. 

Packstellen werden nach Einfuhr von belasteten Eiern geprüft

Nach der Einfuhr von belasteten Eiern prüft Nordrhein-Westfalen, ob auch andere Packstellen in dem Bundesland Produkte mit dem gefundenen Insektizid Fipronil erhalten haben könnten. "Wir haben ein entsprechendes Monitoring-Programm aufgesetzt", sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Düsseldorf am Dienstagmorgen. Nach dem Rückruf der belasteten Chargen aus Belgien und den Niederlanden rechnete er nicht damit, dass weitere Eier dieser Ladungen in den Regalen zu finden sind: "Es dürfte eigentlich keine Eier mit dieser Stempelnummer mehr im Verkauf geben."

"Fipronil hatten wir noch nie, das ist für unsere Fachleute etwas Neues", sagte der Sprecher. Die Anwendung bei tierischen Produkten sei nicht erlaubt. In Belgien und den Niederlanden müsse nun geprüft werden, warum es dennoch verwendet worden sei.

Niederlande: Millionen Eier verseucht

Die niederländischen Behörden haben Millionen mit einem Insektizid verseuchte Eier aus Supermärkten zurückrufen lassen. Der Verzehr der Eier mit dem Aufdruck X-NL-40155XX könne gesundheitsschädlich sein, warnte die Lebensmittelaufsichtsbehörde am Dienstag. Die Eier enthalten eine zu hohe Dosis des Läusebekämpfungsmittels Fipronil. Fipronil kann in hoher Dosis Schäden an Leber, Schilddrüse oder Niere verursachen, sagte eine Sprecherin der Lebensmittelbehörde der Deutschen Presse-Agentur. Der Stoff sei auch in anderen Eiern gefunden worden, allerdings in einer niedrigeren Konzentration.

In der vergangenen Woche war das Insektizid in den Eiern von zunächst sieben Geflügelbetrieben gefunden worden. Ein Unternehmen hatte es benutzt, um Läuse auf den Höfen zu bekämpfen. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Ermittlungen eingeleitet. Daraufhin waren alle 180 Kunden des Schädlingsbekämpfungsunternehmens kontrolliert worden. Bislang wurde in den Eiern von 30 Geflügelbetrieben das schädliche Insektizid entdeckt.

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loc/news.de/dpa
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