07.08.2015, 12.00 Uhr

Medizinische Weltpremieren: Von irren Transplantationen und künstlichen Organen

Von news.de-Volontärin Conny Rädel

Richard Lee Noris verlor bei einem Unfall sein Gesicht. Nach einer aufwendigen Operation trägt er nun das Gesicht eines Toten.

Richard Lee Noris verlor bei einem Unfall sein Gesicht. Nach einer aufwendigen Operation trägt er nun das Gesicht eines Toten. Bild: dpa

Penistransplantation - Mann zeugt Nachwuchs mit transplantiertem Penis

Ein Südafrikaner wird Vater. Das Besondere: Er hat erst im Dezember 2014 eine Penistransplantation bekommen. Das Organ funktioniert also gut, sehr zur Zufriedenheit des Patienten und der Ärzte. Der Mann hatte seinen eigenen Penis bei einer verunglückten traditionellen Beschneidung im Alter von 18 Jahren verloren. In eine neunstündigen OP bekam er das Glied eines Verstorbenen transplantiert.

Der leitende Arzt Andre van der Merwe sagte zum Fortpflanzungserfolg seines Patienten: "Das ist genau das, was wir wollten: Dass der Penis erigieren kann, dass der Patient Geschlechtsverkehr haben kann und dass er urinieren kann." Eigentlich sollte der Penis erst in zwei Jahren voll funktionsfähig sein, aber nun hat der Mann schon ein Kind gezeugt. Die Transplantation ist vor allem für Afrikaner ein Druchbruch: Laut "Spiegel" kommt es jährlich zu etwa 250 Penis-Amputationen bei traditionellen Beschneidungen.

Erstmals zwei Hände erfolgreich bei 8-Jährigem transplantiert

Infolge einer schlimmen Infektion mussten Zion (8) mit zwei Jahren beide Hände und Füße amputiert werden. Nun wurden ihm als jüngstem Patienten der Welt gleich zwei Hände zur selben Zeit transplantiert. Nach dem sensationellen Eingriff zitiert die "Bild" den Chef-Chirurgen Scott Levin. "Dies ist ein monumentaler Schritt. [...] Ich hoffe, dass wir künftig weiteren Patienten wie Zion helfen können." Erst war der Erfolg der Operation unklar, doch inzwischen bekommt Zion regelmäßig Physiotherapie, um den Umgang mit seinen neuen Händen zu erlernen.

Für seine fehlenden Füße trägt der Junge Prothesen, doch die Handprothesen funktionierten für den Jungen nicht. Obwohl nur 15 Spender pro Jahr in Frage kommen, da die passende Farbe und Größe extrem wichtig für solch eine Transplantation ist, musste Zion nur drei Monate nach der Entscheidung für die OP auf passende Spender-Hände warten. Der spanische Chirurg Pedro Cavadas hatte 2011 als erster zwei Beine transplantiert, da sein Patient sehr jung war und er ihm das Leben im Rollstuhl ersparen wollte. Die Beine waren so weit oben abgetrennt worden, dass der Patient keine Prothesen benutzen konnte.

Vollständige Gesichtstransplantation - In der Haut eines anderen

Cavadas war auch weltweit der erste, der ein komplettes Gesicht transplantierte, doch nicht der letzte. Richard Norris trägt seit drei Jahren das Gesicht eines Toten. Für eine australische TV-Sendung traf er Rebekah Aversano, die Schwester seines Spenders. Die kennt Richard Norris nicht, doch wenn sie ihm ins Gesicht sieht, sieht sie ihren Bruder Joshua.

Norris hatte sich aus Versehen mit einer Waffe das Gesicht weggeschossen. Als Joshua Aversano von einem Auto erfasst wird, stehen die Eltern vor einer schwierigen Entscheidung: Wollen sie das Gesicht ihres Sohnes spenden? In einer 36-stündigen Operation, an der 150 Mediziner beteiligt sind, werden Richard Joshuas Gesichtshaut, Nase, Stirn, die Augenbrauen, Zungen sowie zahlreiche Knochen des Kinns transplantiert. Die Operation glückt: Zwar ist Richards Gesicht maskenhaft starr, aber er kann mit der transplantierten Zunge schmecken, mit der fremden Nase riechen.

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