28.09.2018, 12.16 Uhr

Ohrenschmerzen nach Flug: Was hilft dem gequälten Trommelfell auf Reisen?

Damit die Ohren beim Anflug nicht schmerzen, hilft es nicht, nur die Finger reinzustrecken. Nase zuhalten und erhöhter Luftdruck von innen dagegen schon.

Damit die Ohren beim Anflug nicht schmerzen, hilft es nicht, nur die Finger reinzustrecken. Nase zuhalten und erhöhter Luftdruck von innen dagegen schon. Bild: istockphoto, news.de (Montage)

An diesem Wochenende beginnen in Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Hessen, Rheinland Pfalz und dem Saarland die Herbstferien. Für viele ist das ein willkommener Anlass, noch einmal schnell in wärmere Gefilde zu fliegen. Was aber, wenn Sie schon von einer Erkältung erwischt wurden. Darf man mit Erkältung fliegen und warum funktioniert der Druckausgleich bei einer Erkältung nicht? Wir verraten Ihnen, was Sie bei einer Flugreise beachten müssen.

Warum schmerzen die Ohren im Flugzeug?

Grund für die Ohrtortur ist der beim Landeanflug auf das Reiseziel ansteigende Luftdruck in der Flugzeugkabine. Denn während des Fluges, der bei Langstreckenreisen meist in etwa 10.000 Metern Höhe stattfindet, herrscht trotz künstlich erzeugten Drucks dünne Luft. Normalisiert sich der Luftdruck wieder während der Landung, wird das Trommelfell nach innen gepresst und gedehnt. "Dadurch können Schmerzen entstehen", erklärt Dr. Michael Deeg vom Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte (HNO).

Ohrenschmerzen während und nach Flug - Was hilft gegen den Druck auf den Ohren?

Ist jemand völlig gesund, hat er keine Probleme mit dem Druck im Ohr. Dann reicht ein passiver Druckausgleich schon durch kurzes Schlucken oder Gähnen. "Das läuft ganz automatisch und die meisten müssen nicht einmal darüber nachdenken", sagt Dr. Deeg. Fangen die Ohren während der Landung dennoch an zu schmerzen, reiche es oft, wenn man sich die Nase zuhält und fest Luft hineinpresst. Das erhöhe den Druck im Nasen-Rachen-Raum und presse die Luft ins Mittelohr. Dieser Gegendruck reiche oft als Ausgleich aus und dem Trommelfell passiere nichts.

Doch in der Praxis sieht das anderes aus. Denn: Es ist nicht selten, dass Urlauber eine Erkältung mit in den Urlaub schleppen oder sie als Souvenir mit nach Hause bringen. Schon die Klimaanlage am Flughafen reicht aus, um die Atemwege aus der Balance zu bringen. Die Schleimhäute sind dann gereizt und geschwollen und versperren den Weg zum Ohr. "Dann lastet der gesamte Luftdruck auf dem Trommelfell und das kann unheimlich weh tun", so Dr. Deeg. Die Landung kann so schnell zur Tortur werden und die Erholung, die der Urlaub gebracht hat, ist schnell verdrängt.

Barotrauma verursacht Ohrenschmerzen: So können Sie Schäden durch den Flug vorbeugen

Das kann zu einem sogenannten Barotrauma führen, eine Reizung von Trommelfell und Mittelohr. Die Schmerzen halten mehrere Tage an, es kommt zu Entzündungen und Einblutungen und im schlimmsten Fall bleiben sogar Schäden zurück. "Man sollte schon darauf bedacht sein, das zu vermeiden", mahnt Dr. Deeg.

Aber auch verschnupfte Fluggäste können sich gegen schmerzhaftes Ohrensausen schützen. Nämlich mit abschwellenden Nasensprays oder Tropfen, die es in jeder Apotheke rezeptfrei gibt. "Das wissen die Wenigsten", bedauert Deeg und fordert, solche Sprays in jede Reiseapotheke und vor allem ins Handgepäck zu tun. "Man sollte sie nicht lange anwenden, aber für diesen Akutzweck sind sie ideal", so der Ohrenspezialist. Denn sie schwellen ab und machen den Weg für den Druckausgleich frei. So können Sie auch mit einer Erkältung den Flug unbeschadet überstehen.

Zum Einsatz sollten Spray oder Tropfen mindestens eine Stunde vor der Landung kommen, rät Deeg. "Dann ist man auf der sicheren Seite." Wer nicht daran gedacht hat, sich in der Apotheke einzudecken, kann beim Flugpersonal nachfragen. "Die kennen schließlich das Problem", so Deeg. Und: Viele Fluggesellschaften haben kleine Sprayeinheiten für ihre Kunden parat.

Sie sollten während des Fluges auch ausrteichend trinken. Die trockene Luft im Flugzeug belastet die Schleimhäute. Ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr trocknet der Rachen- und Mundraum aus und der Effekt einer anschwellenden Nasenschleimhaut kann sich noch verstärken.

Darf man mit einer Erkältung fliegen?

Sie sind grundsätzlich flugtauglich, wenn Sie die Gangway eines Flugzeuges selbstständig hinauf kommen, ohne Luftnot zu bekommen und sich im Notfall selbst helfen können. Eine leichte Erkältung stellt normalerweise kein Problem dar. Bei einer schweren Grippe mit Fieber oder bei chronisch Kranken (z. B. Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Asthmatikern), frisch Operierten oder Schwangeren kann es aber anders aussehen. Wenn Sie unsicher sind, sollten Sie sich unbedingt von einem Reisemediziner durchchecken lassen. In einigen Ländern gibt es auch besondere Einreisevorschriften. Infos hierzu gibt Ihnen im Regelfall Ihre Airline. Das sollten Sie im Ernstfall beachten:

  • Erkältung: Leichter Husten oder Schnupfen ist meist kein Problem. Abschwellende Nasensprays lindern Beschwerden und wirken dem Druck entgegen bzw. ermöglichen erst einen Druckausgleich.
  • Ohrenentzündung: Problematisch wird's, wenn der Druckausgleich nicht klappt. Ein aufgeblähtes Trommelfell kann zu Kopfschmerzen, im schlimmsten Fall sogar zu Langzeitschäden führen. Fragen Sie vor Reiseantritt Ihren Hausarzt oder einen HNO-Arzt, ob Sie die Reise antreten können.
  • Durchfall: Oft ist es eine "Reise-Diarrhö" aufgrund der Aufregung, die von alleine zurückgeht. Durchfalltabletten können aber auch Abhilfe schaffen.
  • Schwangerschaft: Verläuft sie komplikationslos, kann bis zum 7. Monat geflogen werden. Bis zum 8. Monat können Sie fliegen, wenn ein ärztliches Attest vorliegt.
  • Operationen: Je nach OP sollten Sie mit einem Flug warten. Bei kleineren Eingriffen (Blinddarm, Mittelohr, Nasennebenhöhlen) zehn Tage, bei Eingriffen an den Herzkranzgefäßen und Bypass-OPs drei Wochen, bei Augen-OPs vier Wochen.

Nicht jeder Landeanflug ist mit Ohrenschmerzen verbunden

Schlugen alle präventiven Maßnahmen fehl und halten die Schmerzen über Tage an, sollten spätestens dann Nasentropfen und ein Schmerzmittel angeschafft werden, so der Experte. Am besten seien Ibuprofen-Präparate, weil diese auch abschwellend wirken. Sind die Beschwerden kaum auszuhalten, ein Arztbesuch aber noch nicht möglich, gebe es auch schmerzstillende Ohrentropfen, die zum Einsatz kommen können. Auch die gebe es ohne Rezept in der Apotheke. Ein Termin beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt sei aber anschließend so bald dringend notwendig.

Einige Firmen bieten Ohrenstöpsel an, die schmerzfreies Reisen versprechen. Alles Blödsinn und rausgeschmissenes Geld, sagt Dr. Deeg. "Die funktionieren alle nicht." Auch sich die Finger in die Gehörgänge zu schieben und auf Besserung zu hoffen, ist ein aussichtsloses Unterfangen. Die dichten den Gehörgang nicht richtig ab und können nicht für einen Druckausgleich sorgen.

Übrigens: Nicht jeder Zielflughafen verursacht gleich starke Ohrenschmerzen. Ist etwa der Winkel des Anflugs besonders steil, weil die Route über ein Gebirge hinweg führt, wird es besonders schmerzhaft. Kann sich der Pilot aber viel Zeit lassen und übers Meer langsam und sanft an Höhe verlieren, haben die Ohren genügend Zeit, um sich an die neuen Druckverhältnisse zu gewöhnen

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ham/ivb/hos/news.de
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