24.06.2009, 10.20 Uhr

Gelenkverschleiß droht: Fingerknacken besser lassen

Experten halten das Fingerknacken für alles andere als einen harmlosen Tick.

Experten halten das Fingerknacken für alles andere als einen harmlosen Tick. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Knackgeräusche können in allen Gelenken des Bewegungsapparates auftreten. Besonders oft knackt es jedoch in den Knien, da diese Gelenke stark belastet sind: Sie werden ständig gestreckt und gebeugt. Beim Treppensteigen oder beim Laufen müssen sie das eigene Gewicht abfedern und Stöße aushalten.

Meist sind die Geräusche natürliche Verschleißerscheinungen von Knorpeln und Knochen. Treten dabei allerdings Schmerzen auf, sollte man einen Arzt aufsuchen. Denn in diesem Fall sind für die lauten Knack- und Reibegeräusche fortgeschrittene Verschleißerscheinungen verantwortlich. Etwa für Probleme mit den Schleimhäuten und Sehnen. Auch ein Meniskusschaden kann dahinter stecken oder ein Mangel an Gelenkschmiere in der Kniekapsel.

Verbreitet ist auch das Knacken mit den Fingern - bei einigen knackt es, wenn sie zur Begrüßung Hände schütteln, ohne dass sie etwas dagegen tun können. Andere führen das Knacken absichtlich herbei und verspüren geradezu einen innerlichen Drang nach dem befreienden Geräusch. Sie überdehnen ihre Gelenke, indem sie an Fingern oder Zehen ziehen.

Wie das absichtlich herbeigeführte Knacken genau entsteht, darüber gibt es unterschiedliche Erklärungen. Einer weit verbreiteten These zufolge entsteht das Geräusch, weil sich beim Überdehnen der Finger ein Vakuum bildet und die Gelenkschmiere die Kapsel nicht mehr vollständig füllt. Dadurch werden Gase freigesetzt, die in dem Gelenk eine Blase bilden. Zerplatzt die Gasblase beim Ziehen, kracht es im Fingergelenk.

Auch darüber, ob das Fingerknacken harmlos ist oder nicht, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Der österreichische Medizinjournalist Hademar Bankhofer gibt Entwarnung: «Keine Sorge. Wenn die Gelenke knacken, ist das kein bedenkliches Zeichen. Das ist etwas ganz Harmloses. »

Rheumatologen finden diesen Zeitvertreib aber ganz und gar nicht unbedenklich. «Wer dies häufig wiederholt, überdehnt und schädigt damit langfristig seine Gelenke», warnt der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen (BDRh), Edmund Edelmann.

Laut Edelmann rufen oft beschädigte oder abgenutzte Knorpel bei Gelenkbewegungen die knackenden oder knirschenden Geräusche hervor. «Bei einer fortgeschrittenen Arthrose treten solche Geräusche sehr häufig auf», erklärt Edelmann. Sie würden durch Veränderungen der Knorpelschicht im Gelenk verursacht, zum Beispiel durch eine unregelmäßige Oberfläche oder durch Risse.

«Bei falscher oder übermäßiger Belastung des Gelenks kann Knorpelmaterial darüber hinaus so abgerieben werden, dass Knorpelstückchen frei im Gelenk treiben. Diese Bruchstücke können bei Bewegungen Geräusche auslösen», sagt der Vorsitzende des BDRh.

Die genauen Ursachen von Gelenkgeräuschen müssen nach Angaben Edelmanns von einem Facharzt abgeklärt werden - vor allem dann wenn sie mit Schmerzen verbunden sind: «Treten beim Strecken oder Beugen von Gelenken Schmerzen auf, deutet dies mitunter auf einen Verschleiß des Gelenkknorpels hin», erklärt der Rheumatologe aus Bad Aibling. Ohne Behandlung werde das Gelenk mit der Zeit immer stärker geschädigt.

Aber nicht alle Gelenkgeräusche gehen auch auf krankhafte Veränderungen zurück: Ein leises Knarren, beispielsweise morgens nach dem Aufstehen, könne auch durch Verschiebungen der Gelenkflüssigkeit von einem Gelenkteil in einen anderen hervorgerufen werden, erklärt der Mediziner. Eine schwache Muskulatur oder eine Fehlstellung der Wirbelsäule könnten wiederum zu knackenden Wirbelgelenken führen. Frauen sind laut Edelmann zudem häufiger betroffen, da sie in der Regel ein schwächeres Bindegewebe haben und die Gelenke deshalb flexibler sind.

sgo
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