03.10.2018, 17.45 Uhr

Spider-Man: "Venom": Solides Comic-Gift mit kurzer Halbwertszeit

Venom hat nicht nur böse Buben zum Fressen gerne

Venom hat nicht nur böse Buben zum Fressen gerne Bild: 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH/spot on news

Nach seinem Ausflug ins DC-Universum als Batman-Brecher Bane in "The Dark Knight Rises" hat Tom Hardy (41) die Comic-Seite Richtung Marvel gewechselt. Als Antiheld Venom im gleichnamigen Film erfährt der Zuschauer ab 3. Oktober (Kinostart), wie der galaktische Gegenspieler von Spider-Man seinem Wirt Eddie Brock in die Haut fährt. Bei keiner anderen Symbiose als mit Ausnahme-Schauspieler Hardy wäre dabei wohl ein so überraschend solider cineastischer Giftcocktail herausgekommen.

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Persönlicher Parasit: Darum geht es in "Venom"

Eddie Brock (Hardy) ist als investigativer Journalist sowohl berühmt-berüchtigt, als auch gefürchtet. Dennoch willigt der zwielichtige Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed) zu einem Interview mit ihm ein. Doch statt wie ausgemacht über dessen bahnbrechende Weltraum-Erkundungen zu plaudern, reibt Brock ihm lieber Berichte über Todesfälle unter seinen Mitarbeitern unter die Nase. Und weil dem einflussreichen Drake das gar nicht passt und Brock diese heiklen Infos auch noch heimlich vom Laptop seiner Verlobten stibitzt hat, steht der Troublemaker wenig später ohne Job, Frau und Zukunft da.

Dass Dr. Drake tatsächlich über Leichen geht, erfährt der abgestürzte Brook ein halbes Jahr später von einer Labor-Angestellten mit Gewissen. Denn im All ist man auf eine parasitäre Lebensform gestoßen, mit der der diabolische Wissenschaftler Menschenversuche anstellt - mit bislang stets tödlichem Ausgang für den Wirt wider Willen. Als Eddie Brock heimlich in die Einrichtung eindringt und Beweise für das abscheuliche Vorgehen sammelt, geschieht das für Comicfilme Unausweichliche: Er kommt mit einem der Alien-Kreaturen in Kontakt und sieht sich fortan im Clinch mit dem Parasiten, Dr. Drake - und einem unbändigen Heißhunger auf Menschenfleisch.

Innerer Zwiespalt schlägt generische Action

Die Figur Venom bietet auf dem Papier eine wesentlich interessantere Dynamik, als es beim berühmteren Spinnenmann der Fall ist. Der wird nach dem schon so oft auf die Leinwand gebannten Spinnenbiss einfach nur mächtig, während sein Charakter unangetastet bleibt. "Venom" zeigt derweil eine Figur, die in erster Linie mit sich selbst in Zwist gerät. Venom ist das Anti, Eddie Brock der Held des Begriffs Antiheld.

Allerdings funktioniert das nur, wenn Charaktermime Hardy zu sehen ist, nicht der gänzlich computergenerierte Außerirdische. Wo einem Bruce Wayne in aller Regel gestohlen bleiben kann und man nur wartet, dass er endlich in sein Fledermauskostüm schlüpft, verhält es sich hier doch tatsächlich andersherum. Auch für die Massenunterhaltung der Marke Marvel gibt Hardy alles, spielt sich im wahrsten Sinne halb wahnsinnig. Auch wenn in "Venom" vieles mit einem Augenzwinkern geschieht - wenn er sich aus Sorge um seine geistige Gesundheit und sein Leben seiner Ex-Liebe offenbart, ist das schlicht und ergreifend klasse gespielt.

Am Ende geht der Biss verloren

Und hier liegt die Krux an "Venom" - denn somit fällt der Anfang des Streifens spannender, eindringlicher und sehenswerter aus als der Rest. Die meisten Action-Sequenzen sind absolute Comic-Standardware und schon hunderte Male zuvor gezeigt worden. Besonders gravierend trifft das auf das Finale zu, das sagenhaft unspektakulär ausfällt und zudem unübersichtlich geschnitten und inszeniert wurde. Nicht nur der Held, sondern auch der gesamte Film zeigt also zwei unterschiedliche Gesichter, von denen leider jeweils nur eines ansehnlich ist.

Auch Riz Ahmed (35, bekannt aus dem "Star Wars"-Ableger "Rogue One") als Bösewicht Dr. Carlton Drake bleibt über die gesamte Laufzeit blass und generisch. Dagegen besitzen Eddie Brock und seine Verflossene Anne Weying (Michelle Williams, 38) eine erfrischend charmante Chemie ohne aufgesetztes Liebes-Bohei.

Fazit

Ist "Venom" also Kassengift? Das wird sich zeigen, qualitativ aber definitiv nicht. Mit seinen 110 Minuten Laufzeit ist die Comic-Verfilmung kurzweilige, von Hardy gewohnt gut gespielte Unterhaltung. Wegen seiner Action-Szenen wird bei "Venom" aber kein Kiefer nach unten wandern, dafür gab es in der Vergangenheit deutlich besser inszenierten Krawall zu bestaunen. Zudem lässt die Wirkung von "Venom" schon kurz nach dem Kinobesuch wieder nach. Gegengift ist also nicht notwendig.

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