07.03.2018, 13.11 Uhr

Filmkritik: "Operation: 12 Strong": Chris Hemsworth reitet in den Krieg

Mitch Nelson (Chris Hemsworth, l.) und der afghanische Kriegsherr General Dostum auf dem Schlachtfeld

Mitch Nelson (Chris Hemsworth, l.) und der afghanische Kriegsherr General Dostum auf dem Schlachtfeld Bild: © 2017 Concorde Filmverleih GmbH/spot on news

Das Genre des Kriegsfilms ist in Hollywood ein fester Bestandteil. So dürfen natürlich auch Verfilmungen über den Krieg nach dem Terroranschlag vom 11. September nicht fehlen. Doch die Story von "Operation: 12 Strong" ist eine neue, zumindest für uns Europäer. Der Streifen, der auf der Romanbiografie "Horse Soldiers" basiert, erzählt zum ersten Mal die Geschichte von 12 Soldaten, die gegen tausende Terroristen in den Krieg ziehen. Das Besondere: Sie machen dies auf dem Rücken von Pferden und kämpfen Seite an Seite mit den afghanischen Soldaten.

Eine fast unmögliche Mission

Der Film beginnt am 11. September 2001. Der Tag des Terroranschlags in den USA, der Tag, an dem die Twin-Tower des World Trade Centers fielen. Hauptfigur Captain Mitch Nelson, der von Chris Hemsworth (34, "Thor") gespielt wird, möchte daraufhin mit seinem Team nach Afghanistan. Das Ziel der Mission ist es - gemeinsam mit der afghanischen Armee -, die Stadt Masar-e Scharif einzunehmen und die Taliban sowie die Al-Qaida zu besiegen. Schnell wird klar, dass sich die Amerikaner an die Kampfstrategien ihrer Verbündeten anpassen müssen. Statt den gewohnten Hightech-Waffen und Panzern muss die Mannschaft mit Pferden Vorlieb nehmen. Die Mission scheint eine fast unmögliche zu sein: Mit sporadischer Unterstützung der US-Luftwaffe und den paar hundert afghanischen Männern soll das (dreckige) Dutzend, in einem fremden Gebiet, gegen mehr als 50.000 Taliban-Anhänger kämpfen.

Wie jeder andere Kriegsfilm?

Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Doch wie viel Vertrauen kann man Hollywood schenken? Außer einigen Veränderungen und Übertreibungen für die Storyline scheint sich das Kriegsdrama jedenfalls bei den meisten Fakten an die wahre Geschichte gehalten zu haben. Die zwölf Soldaten, die im Streifen zwar größtenteils neue Namen bekommen haben, hat es wirklich gegeben. Sie waren eines der ersten Teams, das nach Afghanistan geschickt wurde. Chris Hemsworths Filmrolle heißt im echten Leben Mark Nutsch und war als Anführer der Spezialeinheit tätig. Zum Zeitpunkt des Terroranschlags war er tatsächlich in einer höheren Position hinter dem Schreibtisch beschäftigt und hatte bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Kampferfahrung im Krieg. Nutsch und seine Einheit mussten auch im echten Leben mit den Afghanen zusammenarbeiten und auf Pferden in den Krieg reiten.

Vielleicht lässt jedoch genau diese Treue an der wahren Begebenheit wenig Platz für eine tatsächliche Handlung. In dem kurzen Teil des Films, der noch in den USA spielt, wird gezeigt, wie schwer den Familien der Soldaten der Abschied fällt. Dieser Part ist aber allzu schnell abgehandelt, der Fokus liegt komplett auf dem Krieg und dessen Ablauf. Wer denkt, dass es darüber hinaus noch wirklich viel Inhalt zu sehen gibt, der irrt. Auch, weil sich der Film zu sehr auf eine Figur konzentriert. Er ist eine One-Man-Show von Chris Hemsworth, bei den anderen Charakteren wird kaum in die Tiefe gegangen. Charakterentwicklung? Leider Fehlanzeige, und damit auch wenig Bindung zu den Figuren.

Die Action ist hart und schonungslos. Beim Tod von Zivilisten wird draufgehalten. Filmemacher Nicolai Fuglsig versucht dennoch den Spagat, durch humorvolle Szenen die Spannung zumindest kurzfristig abzubauen. Wie gut das gelingt, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Angesichts so mancher knallharten Szene zuvor wollen sich bei diesen Humoreinlagen die Mundwinkel jedenfalls nicht bei jedem Zuschauer nach oben bewegen, das ist sicher.

Der größte positive Aspekt ist, dass es in "Operation: 12 Strong", anders als bei anderen Kriegsfilmen, kein klassisches Schwarz-Weiß-Denken gibt. Es wird deutlich gemacht, dass die US-Soldaten die Afghanen brauchen, um diesen Krieg zu gewinnen. Der Feind ist nicht Afghanistan, sondern die Terrorgruppen. Beide Länder haben ein gemeinsames Ziel: Den Terrorismus zu stoppen, damit sie wieder in Frieden leben können.

Es entstehen sogar zwischenmenschliche Beziehungen. Ein kleiner afghanischer Junge wächst einem der US-Soldaten ans Herz. Und auch Mitch Nelson und der afghanische Kriegsherr General Dostum können einiges voneinander lernen. Dennoch bleibt es realistisch: Beiden Seiten ist bewusst, dass ihre Nationen so schnell keine Freunde werden. Das wird nochmal durch ein Zitat von Dostum hervorgehoben: "Wenn ihr bleibt, sind wir Feinde, wenn ihr geht, seid ihr Feiglinge."

Es wäre jedoch kein amerikanischer Kriegsfilm, wenn er nicht mit Patriotismus übersät wäre. Die tapferen Soldaten verlassen Frau und Kinder und eilen in den Krieg, um ihr geliebtes Land zu verteidigen. Am Anfang des Dramas wird gezeigt, wie die Soldaten regelrecht darum betteln nach Afghanistan geschickt zu werden. Selbst ihre Familien können diese Entscheidung nicht wirklich nachvollziehen.

Fazit

Lohnt es sich "Operation: 12 Strong" anzuschauen? Obwohl es der Film schafft, das klassische Schwarz-Weiß-Denken abzustellen und einige emotionale Szenen vorhanden sind, bleibt es dennoch seinem Genre treu. Für Kinobesucher, die Kriegsfilme lieben und auf viel Action und etwas weniger Nebenhandlung stehen, ist der Film sicher spannend.

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